Der Delaware Court of Chancery hat im Fall Fortis Advisors v. Krafton (Az. 2025-0805-LWW) über einen 250-Millionen-Dollar-Earnout-Streit entschieden und dabei die KI-Chatprotokolle des Krafton-CEO Chang-han Kim als verwertbare Beweismittel eingestuft. Das Gericht nutzte diese zur Feststellung seiner tatsächlichen Absichten. Der CEO hatte die Logs gelöscht – das Gericht wertete dieses Verhalten als Indiz für den Versuch, seine Strategie zu verbergen.
- Ein Gericht in Delaware hat gelöschte KI-Chatprotokolle eines CEOs als zulässiges Beweismittel in einem 250-Millionen-Dollar-Übernahmestreit gewertet.
- Die Chatverläufe offenbarten eine heimliche Doppelstrategie des Käufers, um vertraglich vereinbarte Auszahlungen an den Verkäufer gezielt zu verhindern.
- Da KI-Chats rechtlich wie E-Mails behandelt werden, gilt deren Löschung als Beweisvereitelung, was angepasste Compliance-Richtlinien in Unternehmen erfordert.
Im Kern des Falls steht ein Earnout-Streit nach der Übernahme von Unknown Worlds Entertainment: Der Käufer Krafton soll die vereinbarten Auszahlungen gezielt untergraben haben. Die KI-Chats des CEO dokumentierten ein intern als „Project X" bezeichnetes Vorhaben – eine Doppelstrategie aus juristischem und finanziellem Druck kombiniert mit Verhandlungsführung. Das Gericht zitierte ausführlich aus den KI-Antworten (ChatGPT), die dem CEO Verhandlungsargumente, Framing-Strategien für Kundenkommunikation sowie Schritte zur Sicherung von Produktrechten lieferten. Das Urteil schafft keinen neuen rechtlichen Standard für KI – es wendet bestehende Discovery-Regeln auf ein neues Medium an. KI-Chats stehen damit rechtlich auf einer Stufe mit E-Mails und internen Messaging-Protokollen.
Für Führungskräfte in der DACH-Region hat das Urteil unmittelbare praktische Relevanz: Wer KI-Tools für strategische Planung, M&A-Transaktionen oder operative Entscheidungen nutzt, muss diese Kommunikation als potenziell offenlegungspflichtig behandeln. Das gilt besonders im Kontext des EU AI Act, dessen Governance- und Sanktionsregeln seit August 2025 in Kraft sind. Das gezielte Löschen von KI-Protokollen kann – wie dieses Urteil zeigt – als Beweisvereitelung interpretiert werden und eine Haftung zusätzlich verschärfen. Compliance-Verantwortliche sollten AI-Usage-Policies bereits jetzt so gestalten, dass Aufbewahrungspflichten und Zugriffskontrolle für KI-generierte Inhalte klar geregelt sind.
❓ Häufig gestellte Fragen
✅ 10 Claims geprüft, davon 2 mehrfach verifiziert
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