Die KI-Industrie hat ihren ersten ernsthaften Ausflug in die US-Wahlpolitik absolviert – und ist dabei fast makellos geblieben. Die beiden Super-PAC-Netzwerke Leading the Future und Public First Action gaben laut Business Insider in diesem ersten Vorwahlzyklus 2026 zusammen knapp 7 Millionen Dollar in 11 Kongressvorwahlen aus. In 10 dieser Rennen setzte sich der von der Industrie unterstützte Kandidat durch oder zog in die Stichwahl ein.
- KI-Super-PACs investierten knapp 7 Millionen Dollar in 11 US-Vorwahlen und gewannen 10 davon, was der Industrie erheblichen politischen Einfluss verschafft.
- Zwei primäre Super-PACs, Leading the Future und Public First Action, repräsentieren unterschiedliche Regulierungsphilosophien der KI-Branche.
- Der Erfolg dieser PACs in den US-Wahlen wird die globale KI-Regulierungslandschaft, speziell im Hinblick auf den EU AI Act, beeinflussen.
Die beiden PACs stehen dabei für konkurrierende Regulierungsphilosophien. Leading the Future – finanziert unter anderem von OpenAI-Präsident Greg Brockman und dem Andreessen-Horowitz-Duo Marc Andreessen und Ben Horowitz – setzt auf möglichst wenig staatlichen Eingriff in KI-Entwicklung. Public First Action, teilfinanziert von Anthropic, unterstützt Kandidaten, die eine stärkere Regulierung befürworten. Trotz dieser inhaltlichen Rivalität trafen die beiden Netzwerke in keiner der bisherigen Vorwahlen direkt aufeinander – das ändert sich erst beim New Yorker Rennen im 12. Kongressdistrikt am 23. Juni, wo Leading the Future bereits über 2,2 Millionen Dollar gegen den KI-regulierungsfreundlichen Staatsabgeordneten Alex Bores ausgegeben hat, während Public First Action ihn mit knapp 477.000 Dollar stützt. Die eigentliche Botschaft dieser ersten Saison ist struktureller Natur: Wer die Vorwahl in einem sicheren Wahlkreis gewinnt, zieht mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Kongress ein – die KI-Industrie kauft sich damit faktisch Sitze am Tisch der Regulierungsdebatte.
Für Entscheider in Europa ist das ein Signal, das über US-Grenzen hinauswirkt. Der EU AI Act setzt seit August 2025 verbindliche GPAI-Regeln und Governance-Strukturen in Kraft; ab August 2026 greifen die Hochrisiko-KI-Vorschriften. Welche Standards amerikanische Anbieter daheim dulden – oder abwehren – beeinflusst direkt, mit welchen Produkten und Compliance-Standards sie auf dem europäischen Markt erscheinen. Der Ausgang der US-Kongresswahlen im November 2026 wird daher auch die transatlantische Regulierungsarbitrage mitbestimmen.
❓ Häufig gestellte Fragen
📚 Quellen
- Business Insider: AI-industry super PACs are mostly winning so far