Microsofts Copilot-Nutzungsbedingungen, aktualisiert im Oktober 2025, enthalten eine brisante Klausel, die den eigenen Vertriebsversprechen widerspricht: „Copilot is for entertainment purposes only“ und „Don't rely on Copilot for important advice.“ Dies berichtet Tom's Hardware, während Bloomberg über Microsofts massive Vertriebsstrategie für Copilot im B2B-Segment und das Erreichen „großer, ehrgeiziger Ziele“ bis März 2026 berichtete. Diese Diskrepanz stellt ein erhebliches juristisches Problem dar, insbesondere für Unternehmen, die Workflows oder Compliance-relevante Aufgaben auf einem Tool aufbauen, das der Hersteller als reines Unterhaltungsprodukt klassifiziert und für das er explizit abrät, es für wichtige Entscheidungen heranzuziehen.
- Microsoft stuft Copilot in seinen aktuellen AGB als reines Unterhaltungsprodukt ein, was der aggressiven B2B-Vermarktung widerspricht.
- Dieser Haftungsausschluss macht den vom EU AI Act geforderten Eignungsnachweis faktisch unmöglich und birgt rechtliche Gefahren für Firmen.
- Wer das Tool produktiv nutzt, muss Prozesse nun selbst streng dokumentieren, absichern und zwingend auf Compliance prüfen lassen.
Der Widerspruch gewinnt zusätzliche Brisanz im Kontext des EU AI Acts, dessen Kernpflichten für Hochrisiko-KI ab August 2026 in Kraft treten. Unternehmen, die KI in regulierten Prozessen einsetzen, müssen nachweisen, dass die Systeme für diesen Zweck geeignet sind – ein Nachweis, der durch den „Entertainment only“-Disclaimer faktisch unmöglich gemacht wird. Verstöße gegen den AI Act können mit bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden. Die Tatsache, dass Microsoft im Januar 2026 laut Bloomberg nur 3 Prozent seiner Kunden als zahlende Copilot-Nutzer verzeichnete und nun die Vertriebsstrategie schärft, deutet eher auf kommerziellen Druck als auf eine ausgereifte Produktreife hin.
Für Knowledge Worker und Entscheider im DACH-Raum ist diese AGB-Formulierung keine zu ignorierende Kleinigkeit. Sie ist vielmehr Microsofts explizite Ablehnung jeglicher Verantwortung für Schäden, die aus dem produktiven Einsatz von Copilot entstehen könnten. Wer das Tool dennoch in kritischen Prozessen einsetzen möchte, sollte diesen Einsatz intern dokumentieren, eine eigene Qualitätssicherung etablieren und rechtlich prüfen lassen, ob der Einsatz mit bestehenden Compliance-Anforderungen vereinbar ist, um Haftungsrisiken zu minimieren.
❓ Häufig gestellte Fragen
📚 Quellen
- Techmeme: Copilot Terms of Use – Newsübersicht vom 5. April 2026
- Tom's Hardware / Jowi Morales: Microsoft says Copilot is for entertainment purposes only
- Bloomberg / Brody Ford: Microsoft hit audacious Copilot goals after Wall Street input