China hat offiziell das nach eigenen Angaben größte KI-Wissenschafts-Cluster des Landes in Betrieb genommen, das 60.000 KI-Beschleunigungschips der chinesischen Firma Sugon nutzt und vollständig ohne US-Bauteile auskommt. Mit dem Start dieses Clusters in Zhengzhou, zwei Monate nach einem Testbetrieb mit 30.000 Chips, zeigt China, wie es auf die US-Sanktionen reagiert, die Sugon seit 2019 den Zugang zu amerikanischen Chips verwehren. Dieser Schritt unterstreicht die Strategie Chinas, durch aggressive Skalierung und vertikale Integration der gesamten Hardware- und Software-Lieferkette die Folgen von Exportbeschränkungen zu mildern.
- China hat in Zhengzhou ein neues KI-Cluster mit 60.000 heimischen Sugon-Chips aktiviert, das vollständig ohne US-Komponenten auskommt.
- Die Infrastruktur nutzt selbstentwickelte Netzwerktechnologien und dient primär wissenschaftlichen Modellierungen wie der Arzneimittelentwicklung.
- Für europäische Nutzer chinesischer KI-Dienste könnten sich aus dieser Infrastruktur ab 2026 neue Compliance-Pflichten durch den EU AI Act ergeben.
Autarke Infrastruktur für die Wissenschaft
Technologisch setzt das Cluster auf sechs verschiedene selbstentwickelte Chiptypen und Chinas erste domestisch entwickelte RDMA-Netzwerktechnologie, scaleFabric, für Hochgeschwindigkeits-Interconnects. Das Cluster ist als Kernknoten des nationalen chinesischen Supercomputer-Netzwerks konzipiert, das insgesamt Zugang zu über drei Millionen CPU-Kernen und mehr als 200.000 GPUs bietet. Anwendungsbereiche reichen von der Arzneimittelentwicklung über Proteinfaltungs-Simulationen bis zur parallelen Simulation atmosphärischer Turbulenzen. Eine Plattform namens OneScience bietet zudem über 1.000 vorinstallierte Open-Weight-Modelle und Datensätze für wissenschaftliche Experimente ohne Programmierkenntnisse an, wobei unabhängige Leistungsvergleiche westlicher Systeme noch ausstehen.
Die Inbetriebnahme dieses KI-Clusters signalisiert eine strukturelle Verschiebung für europäische und deutsche Unternehmen entlang der Halbleiter-Lieferkette. US-Gesetzgeber reagieren bereits mit einem Gesetzesentwurf, der Verbündete zur Angleichung ihrer Exportkontrollen verpflichten soll. Für europäische Unternehmen, die chinesische KI-Dienste nutzen, sind solche Cluster aufgrund des EU AI Act als Hochrisiko-Infrastruktur relevant, was ab August 2026 konkrete Compliance-Prüfpflichten auslösen kann.
❓ Häufig gestellte Fragen
📚 Quellen
- Head Topics / South China Morning Post: China turns on largest AI science hub in 2 months using no US chips