Target hat seine Nutzungsbedingungen für seinen kommenden KI-Shoppingagenten auf Basis von Google Gemini so formuliert, dass jede Transaktion, die der Agent im Namen des Nutzers ausführt, als „vom Kunden autorisiert" gilt – selbst wenn der Agent Fehler macht, das falsche Produkt kauft oder eine teurere Variante wählt. Die Verantwortung für die Überprüfung von Bestellungen und Kontoaktivitäten liegt laut den aktualisierten AGB beim Nutzer. Target betont, dass der Agent nicht garantiert, immer genau den Absichten des Nutzers zu entsprechen. Obwohl Rückgaben möglich sind, trägt der Kunde die Beweislast und damit das finanzielle Risiko.
- Target wälzt in seinen neuen AGB die Haftung für Fehlkäufe des kommenden Gemini-basierten Shoppingagenten komplett auf den Kunden ab.
- Mit dieser Risikoexternalisierung folgen US-Händler wie Target und Walmart einem gefährlichen Trend für den aufkommenden "Agentic Commerce".
- In Europa dürften solche Klauseln aufgrund der DSGVO und des ab August 2026 greifenden EU AI Acts kaum rechtlich durchsetzbar sein.
Agentic Commerce: Haftung als Wachstumsbremse?
Dieses Vorgehen ist kein Einzelfall: Auch Walmart hat für seinen KI-Assistenten „Sparky" ähnliche AGB-Klauseln implementiert und räumt ein, dass generative KI irreführende Antworten liefern kann. Einzelhändler rollen KI-Agenten als Komfortfeature aus, externalisieren jedoch das Fehlerrisiko vertraglich. Im Agentic Commerce, wo KI-Systeme autonom Kaufentscheidungen treffen, ohne dass der Nutzer jeden Schritt aktiv bestätigt, entsteht somit eine problematische Konstellation. Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit der Ankündigung von Google im Januar 2026, Shopping- und Checkout-Funktionen direkt in Gemini und den AI Mode der Suche zu integrieren, wobei Target neben anderen Unternehmen Mitentwickler des Universal Commerce Protocol (UCP) ist.
Für europäische E-Commerce-Plattformen und Entwickler stellt dieses US-Muster ein wichtiges Frühwarnsignal dar: Ab August 2026 treten die Kernbestimmungen des EU AI Act in Kraft. Diese sehen strenge Transparenz- und Haftungsanforderungen für Hochrisiko-KI-Systeme vor, zu denen autonome Kaufagenten mit direktem Zugriff auf Zahlungsmittel zählen könnten. AGB-Klauseln, die das Risiko von KI-Halluzinationen pauschal auf Endkunden abwälzen, dürften unter den europäischen Verbraucherrechten und den kommenden KI-Haftungsregeln schwerer durchsetzbar sein als im US-Markt. Zudem könnte Artikel 22 der DSGVO relevant werden, der vollautomatisierte Entscheidungen mit rechtlicher oder erheblicher Wirkung regelt – autonome Käufe, die dem Nutzer Kosten verursachen, könnten darunterfallen.
❓ Häufig gestellte Fragen
📚 Quellen
- Head Topics / Futurism: Target Warns That If Its AI Shopping Agent Makes an Expensive Mistake, You'll Have to Pay for It
- Target Corporate: Google Gemini & Target – Fact Sheet Januar 2026