Die Warhorse Studios, Entwickler des mit dem BAFTA Games Award 2026 in der Kategorie „Narrative“ ausgezeichneten Kingdom Come: Deliverance II, haben sich bei einem Reddit-AMA einer Welle kritischer Fragen gestellt — und dabei mehr offenbart als geplant. Der Auslöser: die Entlassung des ehemaligen Übersetzers Max Hejtmánek im März, dessen Position das Studio angeblich aufgrund einer Umstellung auf KI zur Kostensenkung für „obsolet" erklärt hatte. Das AMA entwickelte sich schnell zu einem öffentlichen Verhör über den Umgang der Spielebranche mit generativer KI und menschlicher Arbeit.
- Ein Reddit-AMA der Warhorse Studios wurde von massiver Fan-Kritik überschattet, nachdem ein Übersetzer angeblich durch KI ersetzt wurde.
- Die Entwickler wiesen die Vorwürfe strikt zurück und versprachen, auch künftig menschliche Übersetzer statt künstlicher Intelligenz einzusetzen.
- Neben der KI-Debatte teaserte das Studio ein neues Riesen-Rollenspiel an und verteidigte das umstrittene Interface für Schleichmissionen.
Warhorse Studios: KI-Kontroverse und die Zukunft der Spieleentwicklung
Hejtmánek hatte auf Reddit öffentlich gemacht, dass seine Stelle abgebaut wurde, weil Warhorse auf KI umstieg, um Kosten zu senken und das Unternehmen effizienter zu gestalten. Seine Aussage traf einen Nerv: „Die Entscheidung kam als riesiger Schock. Die Diskussion über KI für Übersetzungen war in der Vergangenheit häufig aufgekommen — etwas, gegen das ich immer laut und deutlich war. Aber nie in dem Ausmaß, dass es meinen Job kosten könnte." Er habe naiv gedacht, seine Arbeit sei genug wertgeschätzt, um nicht unmittelbar gefährdet zu sein.
Beim AMA selbst antwortete das Team auf die meisten Fragen rund um Hejtmáneks Entlassung mit einer HR-freundlichen Standardformulierung: Man könne zu internen Personalangelegenheiten keine Stellung nehmen, da dies „äußerst unprofessionell" wäre. Eine unbefriedigende Antwort für viele Fans — zumal die Entlassung kurz nach öffentlicher Kritik an angeblich KI-generierten Artworks im Spiel kam.
Kreativdirektor Prokop Jirsa ließ sich dann doch zu konkreteren Aussagen hinreißen: Das Studio befinde sich gerade im Prozess, neue englische Übersetzer einzustellen — „echte Menschen" — und plane, beim nächsten Projekt mindestens genauso viele menschliche Übersetzer zu beschäftigen wie bei KCD2. Ein gepinnter Kommentar des allgemeinen Warhorse-Accounts ergänzte: „Wir sehen KI nicht als Ersatz für menschliche Arbeit. KI-generierte Inhalte werden nicht im fertigen Spiel verwendet, und wir haben keine Pläne, das zu ändern."
Einige Fans reagierten mit bitterem Humor. Eine Frage lautete, ob die Gemini-Premium-Abonnements des Studios künftig die Übersetzungen übernehmen würden — seit dem Rausschmiss des Verantwortlichen. Eine andere Person gab an, als Übersetzer selbst „verletzt und traurig" über die Nachricht zu sein. Das Studio lud sowohl ihn als auch einen Fan, der von einer Karriere bei Warhorse träumte, direkt ein, Kontakt aufzunehmen.
Die Stimmung im Thread schwankte zwischen konstruktiver Kritik und bewusstem Provozieren. Eine Person fragte, welcher der fünf anwesenden Entwickler am ehesten durch KI ersetzt werden könne und wann das passieren werde. Die Antwort des Teams: „Hoffentlich keiner von uns, und niemals. Und das gilt für das gesamte Team.“ Andere fragten, ob es in Ordnung sei, Fragen mit KI zu schreiben oder das Spiel selbst mit ChatGPT zu verfassen — eindeutige Seitenhiebe auf die Diskussion.
Ein User bezeichnete das AMA als „Zugunglück“. Jirsa gab zu, ob man das AMA überhaupt durchführen solle, sei intern ein „heißes Thema“ gewesen — sah darin aber die Chance, „die Luft zu reinigen“. Sein Fazit: „Spieler kümmern sich tief um unsere Industrie und die Menschen, die die Dinge erschaffen, die wir alle lieben. Manchmal erzeugt das Toxizität. Aber ich würde es ehrlich gesagt nicht anders haben wollen.“
Abseits der KI-Debatte gab es einige weitere Einblicke. Designer Ondřej Bittner kündigte eine Enthüllung des nächsten Projekts in „naher Zukunft“ an — mehr nicht. Auf Gerüchte über ein Open-World-Spiel im Herr-der-Ringe-Universum antwortete das Team bewusst vage: „Wir arbeiten hart an… etwas. Ich kann keine Details nennen, aber ich kann sagen, es ist ein riesiges, immersives RPG.“ Intern gab es zudem Diskussionen über das sogenannte Rabbit UI — das System, das anzeigt, ob der Spieler in Sicherheit, auf der Flucht oder im Kampf ist. Es habe „viel interne Kontroverse“ erzeugt, weil es Informationen preisgab, die die Spielfigur Henry eigentlich nicht hätte wissen können. Am Ende behielt es das Team, weil es das Stealth-Gameplay deutlich lesbarer machte und Playtester es liebten.
Das AMA zeigt, wie sensibel die Debatte um KI in der Kreativwirtschaft geworden ist. Warhorse konnte keine vollständige Schadensbegrenzung betreiben — aber hat zumindest öffentlich Flagge gezeigt. Ob das reicht, wird das nächste Projekt zeigen. Mehr zu solchen Entwicklungen findest du in unseren Glossar-Einträgen zu Generativer KI oder in weiteren KI-Analysen auf PromptLoop.
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📰 Recherchiert auf Basis von 1 Primärquelle (pk.ign.com)
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