Anthropic hat sein neuestes KI-Modell, Claude Mythos, vorgestellt. Das Tool ist in der Lage, bisher unbekannte „Zero-Day“-Schwachstellen in Betriebssystemen und Webbrowsern zu finden und auszunutzen. Anthropic zufolge kann Mythos dies autonom tun, indem es Code schreibt und sich Zugriffsrechte verschafft. Das Unternehmen hat die öffentliche Freigabe des Modells abgelehnt und es als potenzielles „Verbrechenswerkzeug“ bezeichnet.
- Anthropic hat mit Claude Mythos eine KI entwickelt, die völlig autonom unbekannte Sicherheitslücken in IT-Systemen aufspürt.
- Wegen des enormen Missbrauchsrisikos bleibt das Werkzeug intern und dient ausgewählten Partnern wie Apple oder Regierungsbehörden zur Cyberabwehr.
- Die massentaugliche Automatisierung von Hacker-Fähigkeiten durch private Firmen wirft völlig neue regulatorische und geopolitische Fragen auf.
Im Rahmen des „Project Glasswing“ arbeitet Anthropic mit über 40 Organisationen zusammen, darunter Schwergewichte wie Apple, Google und JPMorgan Chase, um Verteidigungsstrategien zu entwickeln und Schwachstellen zu beheben, bevor Hacker sie ausnutzen können. Außerhalb der USA wurde Mythos dem britischen AI Security Institute (AISI) zugänglich gemacht, das in Tests eine Erfolgsquote von 73 % bei Experten-Aufgaben und den ersten vollständigen autonomen Durchlauf einer 32-stufigen Netzwerk-Attacke („The Last Ones“) dokumentierte. Britische Minister warnten daraufhin, dass KI Cyberangriffe erheblich erleichtern und beschleunigen wird.
Berichte über unautorisierte Zugriffe bei Drittanbietern in der aktuellen Woche werfen die Frage auf, ob ein privates Unternehmen mit einer solchen Fähigkeit betraut werden sollte. Mythos schafft keine neuen Bedrohungen, sondern wandelt latente Schwachstellen in systemische Risiken um. Während Hacking traditionell zeitaufwändig und spezialisiert war, machen KI-Tools Systembrüche für eine breitere Masse zugänglich.
Mozilla testete Mythos an seinem Firefox-Browser und identifizierte damit 271 Sicherheitslücken in Firefox 150, die laut Mozilla-CTO zeitnah behoben wurden. Die KI entdeckt „Cyber-Schwachstellen“ schnell, kostengünstig und in großem Maßstab. Die US-Regierung, die Anthropic zuvor kritisch gegenüberstand, hat ihre Haltung geändert und sieht das Unternehmen nun als strategischen Partner im Bereich der nationalen Sicherheit. Dies signalisiert eine Verschiebung von der Behandlung von KI-Firmen als reine Auftragnehmer hin zu sicherheitspolitischen Partnern.
Die Kontrolle über kritische Infrastrukturrisiken durch private Unternehmen wirft Bedenken auf, insbesondere wenn weniger verantwortungsbewusste Akteure technische Vorteile erlangen. Wer die mächtigsten KI-Modelle entwickelt, wird geopolitische Vorteile erzielen. Ohne einen Rahmen für internationale Koordination im Bereich Cybersicherheit besteht die Gefahr, dass das Internet nicht als globales Gemeingut, sondern als eine Ansammlung konkurrierender, abgeschotteter Systeme endet.
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