Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank und Mitglied des EZB-Rats, hat am 21. April 2026 gefordert, dass Anthropics exklusives KI-Modell Claude Mythos allen relevanten Institutionen gleichermaßen zugänglich sein muss. Nagel bezeichnete Mythos als ein zweischneidiges Schwert: Das Modell kann Cybersecurity-Schwachstellen identifizieren und komplexe Exploitationsmethoden entwerfen – und genau das macht den kontrollierten Zugang zur politisch heiklen Frage für den Finanzsektor.
- Bundesbank-Präsident Joachim Nagel fordert einen fairen, branchenübergreifenden Zugang zu Anthropics mächtigem Cybersecurity-KI-Modell Claude Mythos.
- Anthropic hält das System wegen der Gefahr gravierender Hackerangriffe zurück und teilt es bisher nur mit ausgewählten Partnern im „Project Glasswing“.
- Nagel warnt davor, dass dieser exklusive Zugang für wenige US-Tech-Giganten gefährliche Abhängigkeiten schafft und den globalen Wettbewerb verzerrt.
Project Glasswing: Exklusiver Zirkel für die Cybersecurity-Elite
Anthropic hat Claude Mythos bislang nicht öffentlich freigegeben. Stattdessen wurde das Modell im Rahmen des sogenannten Project Glasswing selektiv an über 40 Cybersecurity-Firmen und Technologiepartner wie Microsoft und Apple weitergegeben. Die Begründung des Entwicklers wiegt schwer: Ein unkontrollierter Zugang könnte Angreifern automatisierte Zero-Day-Exploits für nahezu alle verbreiteten Betriebssysteme und Browser liefern. Laut aktuellen Berichten von The Hacker News konnte Mythos bereits tausende bisher unbekannte Schwachstellen in kritischer Infrastruktur identifizieren.
Nagels Position steht damit in direkter Spannung zum restriktiven Gatekeeping-Ansatz von Anthropic. Er argumentiert für ein Level Playing Field, da insbesondere Banken auf diese KI-Agenten angewiesen sind, um ihre eigenen Systeme gegen KI-gestützte Angriffe zu verteidigen. „Ein exklusiver Zugang für wenige US-Unternehmen schafft gefährliche Abhängigkeiten und verzerrt den Wettbewerb in der globalen Sicherheitsarchitektur“, so Nagel am Rande einer EZB-Sitzung. Ob seine Forderung zu Änderungen in Anthropics strikten Zugangsrichtlinien führt, bleibt abzuwarten.