Mitarbeiter von Googles KI-Forschungslabor DeepMind haben in London für eine gewerkschaftliche Organisierung gestimmt und fordern von der Unternehmensführung die formelle Anerkennung der Communication Workers Union sowie Unite the Union als gemeinsame Vertreter. Der Auslöser ist eindeutig: Google unterzeichnete trotz massivem internen Widerstand einen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium, der dem Pentagon die Nutzung von Googles KI-Modellen in klassifizierten Umgebungen erlaubt. Die Belegschaft der Londoner Zentrale sandte am Dienstag, dem 5. Mai 2026, ein entsprechendes Schreiben an das Management — und machte damit den nächsten konkreten Schritt nach dem Protestbrief von über 600 Google-Mitarbeitern, der kurz vor Bekanntwerden des Deals an CEO Sundar Pichai gegangen war.
- Mitarbeiter von Googles KI-Labor DeepMind haben in London als Reaktion auf einen Pentagon-Vertrag für eine Gewerkschaft gestimmt.
- Die Belegschaft fordert ein striktes Verbot von Waffen-KI, besseren Whistleblower-Schutz und ein Recht auf ethische Arbeitsverweigerung.
- Sollte Google Verhandlungen ablehnen, droht das Einschalten einer britischen Schlichtungsstelle, was einen Branchen-Präzedenzfall schaffen könnte.
Die Abstimmung über die Gewerkschaftsgründung fand laut The Guardian bereits im vergangenen Monat statt — mitten in den Berichten über den bevorstehenden Pentagon-Vertrag. Google unterschrieb das Abkommen schließlich letzte Woche, womit das Unternehmen dem Pentagon erlaubt, seine KI-Modelle in klassifizierten, vom offenen Internet getrennten Netzwerken einzusetzen. Mehr als 600 Google-Mitarbeiter — darunter Direktoren und Vizepräsidenten — hatten in einem Brief an Pichai gefordert, KI-Systeme nicht in klassifizierten Militärkontexten einzusetzen: "We want to see AI benefit humanity; not to see it being used in inhumane or extremely harmful ways. This includes lethal autonomous weapons and mass surveillance but extends beyond", hieß es im Schreiben. Google ignorierte das und unterzeichnete trotzdem.
Die Tech-Abteilung der Communication Workers Union veröffentlichte eine Liste mit den Kernforderungen der DeepMind-Belegschaft. Im Mittelpunkt stehen drei Punkte: erstens stärkere KI-Prinzipien, konkret ein verbindliches Verbot der Entwicklung von Waffen oder KI-Systemen, die Menschen schaden sollen, sowie von Überwachungstechnologien, die Menschenrechte verletzen. Zweitens fordern die Mitarbeiter besseren Whistleblower-Schutz. Und drittens das Recht, Arbeiten abzulehnen, die den eigenen ethischen oder moralischen Überzeugungen widersprechen. Ein DeepMind-Mitarbeiter erklärte gegenüber The Guardian, er sei der Gewerkschaft beigetreten aufgrund von Bedenken, dass KI zur Stärkung von Autoritarismus genutzt werden könnte — "whether through military or surveillance applications, both foreign and domestic". Der US-Krieg im Iran und der Konflikt der Trump-Regierung mit Anthropic zeigten, dass das Pentagon kein verantwortungsvoller Partner sei.
Der DeepMind-Schritt ist kein Einzelfall — er fällt in eine Welle von Tech-Unternehmen, die Militärverträge unterzeichnen. Zuletzt gesellten sich Microsoft, Nvidia, Amazon Web Services und das Startup Reflection AI zu Google, OpenAI und SpaceX: Damit haben sieben große KI-Unternehmen Vereinbarungen mit dem Pentagon über klassifizierte KI-Arbeit geschlossen. OpenAI-CEO Sam Altman verkündete den eigenen Deal öffentlich, räumte aber gleichzeitig ein, dass sein Unternehmen die Nutzung seiner Modelle durch das Militär nicht kontrollieren kann. Google selbst verwies in einer Stellungnahme auf die breite Beteiligung der Branche: Man sei "proud to be part of a broad consortium of leading AI labs and technology and cloud companies" und bleibe "committed to the private and public sector consensus that AI should not be used for domestic mass surveillance or autonomous weaponry without appropriate human oversight." Ob diese Zusicherung bei klassifizierten, extern nicht überprüfbaren Systemen überhaupt greift, lassen die Mitarbeiter zu Recht offen.
Sollte Google die Gewerkschaft nicht freiwillig anerkennen, haben die Unions angekündigt, die britische Central Arbitration Committee einzuschalten — die könnte das Unternehmen dann zu Verhandlungen zwingen. Google hat sich gegenüber Gizmodo bisher nicht zur Gewerkschaftsgründung geäußert. Das Druckpotenzial ist real: Eine formal anerkannte Gewerkschaft in Googles wichtigstem KI-Forschungszentrum wäre ein Präzedenzfall für die gesamte Branche — und ein Signal, dass die Ära des widerstandslosen Gehorsams in Tech-Unternehmen zu Ende geht.
❓ Häufig gestellte Fragen
📰 Recherchiert auf Basis von 1 Primärquelle (gizmodo.com)
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