Meta erklärt den Rückgang mit „Internetstörungen im Iran sowie einer Einschränkung des Zugangs zu WhatsApp in Russland." Der Haken dabei: Weil Meta alle Plattformen in einer einzigen Kennzahl bündelt, lässt sich nicht nachvollziehen, welche App oder welche Region den Löwenanteil des Rückgangs verantwortet. Kritiker weisen darauf hin, dass diese Aggregation es schlicht unmöglich macht, einen möglichen strukturellen Rückgang einzelner Dienste — etwa von Facebook selbst — sauber zu beziffern. Unabhängig davon zeigen Daten des britischen Regulierers Ofcom, dass soziale Medien auch in westlichen Märkten zunehmend passiv genutzt werden, was mittelfristig Engagement-Metriken unter Druck setzt.
- Trotz eines starken Umsatzwachstums von 33 Prozent verlor Meta im ersten Quartal 2026 rund 20 Millionen täglich aktive Nutzer.
- Um den unterschätzten Infrastrukturbedarf für Rechenzentren zu decken, erhöht der Konzern seine KI-Investitionen auf bis zu 145 Milliarden Dollar.
- Investoren reagierten skeptisch auf die Kombination aus bröckelnder Nutzerbasis und drastischen Kostensprüngen, woraufhin die Meta-Aktie um sieben Prozent einbrach.
Die Finanzzahlen erzählen eine andere Geschichte: Metas Umsatz wuchs im ersten Quartal 2026 um 33 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum — von 42,3 Milliarden Dollar auf 56,3 Milliarden Dollar. Das ist das schnellste Umsatzwachstum seit 2021 und zeigt, dass das Werbegeschäft trotz sinkender Nutzerzahlen bislang robust läuft. Das KI-gestützte Targeting und die Automatisierung von Anzeigenprozessen dürften hier wesentlich beigetragen haben. Weniger erfreulich sieht es bei Reality Labs aus: Die Sparte für Wearables und Virtual Reality meldete einen Betriebsverlust von 4,03 Milliarden Dollar — allein in einem Quartal. Zudem wurden die Reality-Labs-Mitarbeiter seit Januar von zwei Entlassungswellen getroffen.
Die erhöhten Capex-Prognosen begründet CFO Susan Li in erster Linie mit gestiegenen Komponentenpreisen sowie — in geringerem Ausmaß — mit zusätzlichen Kapazitäten für Rechenzentren. Li räumte zudem ein, dass Meta „in der Vergangenheit den eigenen Rechenbedarf unterschätzt" habe. Diese Selbstkorrektur ist bemerkenswert offen für einen Earnings Call: Sie impliziert, dass bisherige KI-Rollouts auf knappere Infrastruktur trafen als geplant. Die Spanne von 125 bis 145 Milliarden Dollar ist dabei keine Kleinigkeit — sie übersteigt das BIP vieler mittelgroßer Volkswirtschaften und signalisiert, dass Meta die KI-Infrastruktur als strategische Kernressource behandelt, nicht als Kostenstelle. Für europäische Unternehmen und DACH-Entscheider ist das ein indirektes Signal: Wer mit Meta-Plattformen für Werbung arbeitet, profitiert von dieser Infrastruktur — ist aber auch von deren Kosten-Weitergabe abhängig.
Der Kursrückgang von über sieben Prozent nach Bekanntgabe der Zahlen zeigt, dass der Markt die Kombination aus Nutzerschwund und Ausgabenerhöhung skeptisch bewertet. Investoren haben offenbar erwartet, dass Metas KI-Investitionen mittlerweile messbarere Ertragseffekte produzieren. Stattdessen steigen die Kosten weiter, während die Nutzerbasis — zumindest gemessen an der täglich aktiven Gesamtgröße — erstmals spürbar nachgibt. Ob dieser Rückgang ein einmaliges, geopolitisch bedingtes Ereignis ist oder einen frühen Trend anzeigt, wird der Q2-Bericht zeigen. Klar ist: Die Wette auf KI als Wachstumstreiber läuft bei Meta noch auf Kredit.
❓ Häufig gestellte Fragen
📰 Recherchiert auf Basis von 1 Primärquelle (theverge.com)
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