Microsoft-CEO Satya Nadella hat am 29. April 2026 im Rahmen der Quartalsergebnisse klargestellt, dass er den überarbeiteten Partnerschaftsvertrag mit OpenAI als klaren Vorteil für Microsoft sieht: Das Unternehmen erhält royaltyfreien Zugang zu OpenAIs Modellen und Agentenprodukten bis 2032 – ohne dafür Lizenzgebühren zu zahlen. "We have a frontier model, with all the IP rights that we will have access to all the way to '32 and we fully plan to exploit it", sagte Nadella auf Nachfrage eines Wall-Street-Analysten. Das KI-Geschäft von Microsoft hat derweil eine annualisierte Umsatzrate von 37 Milliarden Dollar erreicht – ein Plus von 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
- Microsoft sichert sich mit dem neuen Vertrag bis ins Jahr 2032 einen komplett lizenzfreien Zugang zu den leistungsstärksten OpenAI-Modellen.
- Trotz des Endes der Exklusivität und neuer OpenAI-Partnerschaften mit Konkurrenten profitiert Microsoft extrem als primärer Cloud-Infrastruktur-Provider.
- Parallel dazu wächst Microsofts Copilot-Ökosystem, nicht zuletzt dank des neuen Agent Mode, rasant auf 20 Millionen bezahlte Enterprise-Lizenzen an.
Der überarbeitete Microsoft-OpenAI-Deal verzichtet auf die bisherige Exklusivität. OpenAI kann seine Technologie nun auch anderen Hyperscalern anbieten – und tat das prompt: Unmittelbar nach der Bekanntgabe kündigte OpenAI exklusive KI-Produkte gemeinsam mit Amazon Web Services an. AWS-CEO Matt Garman und OpenAI-CEO Sam Altman gaben dazu öffentlich Interviews. Für Microsoft-Beobachter war das ein Warnsignal; der Aktienkurs reagierte entsprechend nervös. Nadella ließ sich davon nicht beirren. Er betonte auf dem Earnings Call, dass Microsoft ohnehin "die breiteste Modellauswahl aller Hyperscaler" biete – Kunden könnten zwischen OpenAI, Anthropic, Open-Source-Modellen und weiteren wählen. Laut Nadella haben bereits über 10.000 Kunden mehr als ein Modell gleichzeitig genutzt.
Microsoft profitiert von der Partnerschaft auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Erstens über den direkten, nun kostenfreien Zugang zu OpenAIs frontier-Modellen für eigene Produkte und Cloud-Kunden. Zweitens als Infrastrukturlieferant: OpenAI ist laut Nadella ein großer Kunde von Microsofts Cloud- und Computing-Diensten – nicht nur auf der KI-Beschleuniger-Seite, sondern quer durch das gesamte Compute-Portfolio. Drittens hält Microsoft eine Beteiligung an OpenAI. Nadella verwies in diesem Zusammenhang auf OpenAIs Verpflichtung, mehr als 250 Milliarden Dollar an Microsoft-Cloud-Services abzunehmen, sowie auf Microsofts 27-prozentigen Anteil am Unternehmen. Im Klartext: Selbst wenn OpenAI künftig mit Amazon oder Google kooperiert, fließt ein Teil der daraus entstehenden Compute-Kosten zurück zu Azure.
Parallel zu den OpenAI-Meldungen lieferte Nadella starke Copilot-Zahlen. Microsoft M365 Copilot zählt mittlerweile 20 Millionen bezahlte Enterprise-Seats. Die Anzahl der Unternehmen mit mehr als 50.000 Seats hat sich laut Nadella vervierfacht; Bayer, Johnson & Johnson, Mercedes und Roche nutzen jeweils mehr als 90.000 Seats. Accenture hat in dieser Woche einen Deal für über 740.000 Seats abgeschlossen – "our largest Copilot win to date", so Nadella. Auch die Nutzungsintensität steigt: Copilot-Anfragen pro Nutzer legten im Quartalsvergleich um knapp 20 Prozent zu. Nadella verglich die wöchentliche Nutzungsfrequenz mit der von Outlook – also einem täglich genutzten Kerntool. Morgan-Stanley-Analyst Keith Weiss bezeichnete die Copilot-Zahlen auf dem Earnings Call als "way ahead of most people's expectations". Treiber ist unter anderem der Agent Mode, der seit letzter Woche als Standard-Erfahrung in Word, Excel und PowerPoint aktiv ist und mehrstufige Aktionen direkt in Dokumenten ermöglicht.
Ob das neue Abkommen wirklich ein Win-Win ist, wie Nadella betont, wird sich erst über die nächsten Quartale zeigen. Der Wegfall der Exklusivität gibt OpenAI erheblich mehr strategischen Spielraum – und Amazon hat diesen bereits genutzt. Für europäische Enterprise-Kunden, insbesondere im DACH-Raum, ist die Modellvielfalt in Azure ein relevantes Argument: Wer aus Compliance-Gründen nicht ausschließlich auf OpenAI setzen will, findet in Microsofts Multi-Model-Strategie – von Claude über Open-Source bis zu frontier-Modellen – eine breitere Absicherung. Unter dem EU AI Act, dessen Hochrisiko-Regeln ab August 2026 greifen, wird die Frage, welches Modell für welchen Workload eingesetzt wird, zunehmend zur Dokumentationspflicht. Microsofts breites Modellportfolio erleichtert dabei die Compliance-Argumentation gegenüber Aufsichtsbehörden.
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