Am 27. April 2026 begann in Oakland der mit Spannung erwartete Gerichtsstreit zwischen Elon Musk und Sam Altman um angeblich gebrochene Versprechen bei OpenAI — und schon der erste Tag lieferte einen unerwarteten Befund: Musks öffentliche Persona ist für den Prozess ein ernsthaftes juristisches Problem. Während der Jury-Auswahl machten potenzielle Geschworene in ihren Fragebögen deutlich, dass ihr Bild von Musk alles andere als neutral ist. Das zwingt beide Seiten bereits vor dem ersten Zeugen dazu, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob eine faire Verhandlung überhaupt möglich ist.
- Der Prozessauftakt zwischen Elon Musk und Sam Altman offenbarte bei der Jury-Auswahl eine massive öffentliche Skepsis und Abneigung gegenüber Musk.
- Richterin Gonzalez Rogers lehnte den Ausschluss kritischer Geschworener ab, da persönliche Antipathie eine objektive Urteilsfindung im Gericht nicht ausschließe.
- Der juristische Machtkampf um angebliche Vertragsbrüche zielt auf die strategische Ausrichtung von OpenAI ab und könnte die KI-Branche weitreichend verändern.
The-Verge-Reporterin Elizabeth Lopatto dokumentierte direkt aus dem Gerichtssaal Aussagen aus den Juroren-Fragebögen, die wenig Raum für Interpretation lassen. Darunter: „Elon Musk is a greedy, racist, homophobic piece of garbage", „Elon Musk is a world-class jerk" sowie die Aussage einer Frau of Color, sie sei sich der „damaging statements and actions" Musks sehr bewusst und möge Tesla nicht. Diese Formulierungen sind keine vereinzelten Ausreißer — sie stehen exemplarisch für eine Stimmung, die Richterin Yvonne Gonzalez Rogers offen anerkannte.
Musks Anwälte versuchten, Personen mit solchen Vorabmeinungen aus dem Geschworenenpool zu streichen. Richterin Gonzalez Rogers lehnte das ab und formulierte dabei ungewöhnlich direkt: „The reality is that people don't like him… Many people don't like him, but that doesn't mean that Americans nevertheless can't have integrity for the judicial process." Damit setzte sie einen klaren Rahmen: Persönliche Abneigung gegen eine Prozesspartei allein reicht nicht als Ausschlussgrund — entscheidend ist die Fähigkeit zur sachlichen Urteilsfindung.
Am Ende des ersten Verhandlungstages stand eine neunköpfige Jury, die aus dem gesamten Bay-Area-Gebiet zusammengesetzt wurde. Einige der ausgewählten Geschworenen gaben an, Musk möglicherweise nicht zu mögen oder negative Meinungen über KI-Technologie zu haben — versicherten jedoch, dass dies ihre objektive Betrachtung der Fakten nicht beeinträchtigen würde. Jede Seite hatte laut Berichterstattung fünf peremptorische Ablehnungen, also Einwände ohne Begründungspflicht. Richterin Gonzalez Rogers machte den Anwälten zudem klar, dass es viele Menschen gebe, die Musks Mandanten nicht mögen — und ergänzte, dass viele auch Altman nicht mögen. Eine symmetrische Ausgangslage also, zumindest auf dem Papier.
Im Kern geht es in diesem Verfahren um Musks Vorwürfe gegen Altman und OpenAI wegen angeblich gebrochener Versprechen: Musk war Mitgründer von OpenAI im Jahr 2015 und verließ das Unternehmen später nach Differenzen über dessen Ausrichtung. Seither hat sich das Verhältnis zu einem offenen Konflikt entwickelt — mit Musk auf der einen Seite, der OpenAI eine Abkehr von der gemeinnützigen Mission vorwirft, und Altman auf der anderen, der das Unternehmen zu einem der mächtigsten KI-Konzerne der Welt geformt hat. Der Ausgang dieses Verfahrens könnte die Eigentumsverhältnisse und strukturellen Weichenstellungen der KI-Branche direkt berühren.
Was dieser erste Prozesstag zeigt: Musks Aktivitäten der vergangenen Jahre — von politischen Interventionen über kontroverse Äußerungen bis zu seiner Rolle als Chef von X — haben ein Reputationsproblem geschaffen, das selbst im Gerichtssaal nicht wegzudefinieren ist. Ob das die Urteilsfindung beeinflusst, bleibt die offene Frage der kommenden Verhandlungswochen.
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📰 Recherchiert auf Basis von 1 Primärquelle (theverge.com)
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