Warhorse Studios, das tschechische Entwicklerstudio hinter Kingdom Come: Deliverance, steht nach der Entlassung eines Tschechisch-Englisch-Übersetzers massiv unter Beschuss. Der betroffene Mitarbeiter, seit 2022 bei Warhorse und zuletzt an Kingdom Come: Deliverance 2 beteiligt, gab Ende März auf Reddit bekannt, dass seine Stelle für obsolet erklärt wurde — das Studio wolle künftig auf KI-gestützte Übersetzung setzen. Die Gaming-Community reagierte mit heftiger Kritik. Warhorse entschied sich für einen ungewöhnlichen Schritt: ein öffentliches Reddit-AMA auf r/gaming, das die Debatte jedoch nicht vollständig befrieden konnte.
- Warhorse Studios wehrt sich in einem Reddit-AMA gegen Vorwürfe, menschliche Übersetzer durch Künstliche Intelligenz zu ersetzen.
- Das Studio betont, dass KI nur als Hilfsmittel dient und das fertige Spiel völlig frei von KI-generierten Inhalten bleiben wird.
- Trotz der Kontroverse blickt das Team nach vorn und teast die Arbeit an einem neuen, riesigen Rollenspiel an.
Im Reddit-AMA auf r/gaming positionierte sich Warhorse klar: „Wir sehen KI nicht als Ersatz für menschliche Arbeit und wollen das Unternehmen, einschließlich unseres Übersetzungsteams, erweitern." Gleichzeitig räumten die Entwickler ein, dass einzelne Teammitglieder KI in frühen Produktionsphasen als nützlich empfinden. Entscheidend dabei: Im fertigen Spiel werde keinerlei KI-generierter Content verwendet — und daran soll sich laut Studio auch nichts ändern.
Kreativdirektor Prokop Jirsa präzisierte im gleichen Thread, das Studio sei „derzeit dabei, neue englische Übersetzer — tatsächliche Menschen — einzustellen". Für kommende Projekte soll die Anzahl menschlicher Übersetzer mindestens so hoch bleiben wie bei Kingdom Come: Deliverance II. Als ein Fan provokant fragte, welche Teammitglieder sich am leichtesten durch KI ersetzen ließen, antwortete Warhorse direkt: „Hoffentlich niemand von uns, und niemals. Und das gilt für das gesamte Team."
Der Haken an der ganzen Sache ist offensichtlich: Ein Übersetzer verliert seinen Job, das Studio begründet es intern mit dem Übergang zu KI-Lösungen — und kommuniziert kurz darauf öffentlich, KI sei kein Jobkiller. Beide Aussagen können gleichzeitig wahr sein, aber die Spannung zwischen ihnen ist real. Warhorse macht keine konkreten Angaben dazu, wie genau KI intern genutzt wird und in welchen Bereichen Automatisierung Stellen überflüssig macht. Das ist der Punkt, an dem die Community zurecht nachhakt.
Für die Spielebranche ist diese Situation kein Einzelfall. Studios weltweit experimentieren mit KI-Tools für Lokalisierung, Skripterstellung und Asset-Generierung — oft ohne klare Kommunikation gegenüber Belegschaft oder Öffentlichkeit. Warhorse ist damit unfreiwillig zum Brennglas einer größeren Debatte geworden: Wann endet „KI als Hilfsmittel" und wo beginnt „KI als Personalersatz"?
Abseits der KI-Debatte ließ Warhorse im AMA eine weitere Information fallen: Das Studio arbeite an einem „riesigen immersiven RPG". Ob es sich dabei um Kingdom Come: Deliverance 3 oder das in der Community gemunkelte Herr der Ringe-Projekt handelt, blieb offen. Game Rant berichtete über Spekulationen rund um dieses Projekt — konkrete Ankündigungen fehlen bisher.
Das zeigt: Warhorse will das AMA auch nutzen, um nach vorne zu schauen. Ob die Community die KI-Debatte damit abhakt, ist eine andere Frage. Der Vertrauensschaden durch den Übersetzer-Fall sitzt tief — und lässt sich nicht einfach durch Bekundungen im Reddit-Thread wegdiskutieren.
❓ Häufig gestellte Fragen
📰 Recherchiert auf Basis von 3 Primärquellen (reddit.com, gamerant.com, notebookcheck.net)
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