Die fünf größten Hyperscaler — Amazon, Google, Meta, Microsoft und Oracle — werden 2026 zusammen rund $751 Milliarden in Capex ausgeben. Das entspricht einem Wachstum von 83 Prozent gegenüber 2025. Apollo Global Management President Jim Zelter zog auf der Milken Institute Conference am 4. Mai 2026 die Konsequenz daraus: Kein einzelner Markt kann diese Summen stemmen. Es braucht den Aktienmarkt, den operativen Cashflow, den öffentlichen Investment-Grade-Markt — und zusätzlich privates Investment-Grade-Kapital als dritten Pfeiler.
- Die fünf größten Hyperscaler werden 2026 voraussichtlich 751 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur investieren, was die Kapazitäten einzelner Kapitalmärkte sprengt.
- Um diese enormen Summen zu finanzieren, begeben einst fast schuldenfreie Tech-Konzerne nun zunehmend langfristige Anleihen im zweistelligen Milliardenbereich.
- Finanzexperten sehen darin eine strukturelle Verschiebung und warnen vor dem Risiko, falls Aktien- und Schuldenmärkte gleichzeitig das Vertrauen verlieren sollten.
Zelter bezifferte die Net-Origination von Investment-Grade-Schulden für 2026 auf „north of $1 trillion" — und erwartet, dass diese Zahl die Nettoemission des US-Staatsanleihemarkts übersteigen wird. Beim rund $800 Milliarden schweren Hyperscaler-Capex-Block werde ein Teil aus dem Cashflow der Unternehmen kommen, einige hundert Milliarden aus den öffentlichen Investment-Grade-Märkten. Der Rest soll aus privatem Investment-Grade-Kapital folgen — genau dem Segment, in dem Apollo operiert. Der Haken: Diese Aussage kam von einem Vertreter eines Unternehmens, das selbst Kapital in diese Deals lenkt. Yahoo Finance weist in seiner Berichterstattung ausdrücklich darauf hin, dass Yahoo ein Portfoliounternehmen von Apollo-Fonds ist.
Was die Aussage substanziell macht: Die Capex-Konsensschätzungen für 2026 sind allein seit Beginn der aktuellen Earnings-Season um fast $80 Milliarden gestiegen, wie Goldman-Sachs-Strategen in einer Note vom selben Tag feststellten. Zum Jahresstart 2026 lag die Schätzung noch bei $546 Milliarden, kurz vor der Earnings-Season bei $673 Milliarden — jetzt bei $751 Milliarden. Das ist kein gradueller Anstieg, das ist ein struktureller Revisionsschub. Drei konkrete Schuldenemissionen illustrieren die Richtung: Oracle kündigte im Februar eine Kapitalaufnahme von $45 bis $50 Milliarden an, aufgeteilt zwischen Anleiheemission und einem At-the-Market-Programm. Meta folgte im Mai mit einem $25-Milliarden-Sechs-Tranchen-Bond für sein Louisiana-Rechenzentrum. Alphabet emittierte im ersten Quartal $31,1 Milliarden in vorrangig unbesicherten Anleihen.
Zelters Kernbeobachtung ist nicht nur ein Finanzierungskommentar — sie beschreibt eine strukturelle Verschiebung im Techsektor. Unternehmen, die jahrelang nahezu schuldenfrei operierten und Capex aus dem Cashflow finanzierten, begeben jetzt Langfristanleihen im zweistelligen Milliardenbereich. Das verändert die Zusammensetzung des Investment-Grade-Universums grundlegend. Vorerst zeigen sich die Schuldenmärkte stabil: Laut Zelter werden die Deals zu vertretbaren Zinsen abgenommen. Die Sorge wäre eine Situation, in der Eigenkapitalinvestoren über die Ausgabenhöhe nervös werden — und gleichzeitig der Schuldenmarkt zögert. Beides zusammen wäre problematisch. Davon ist man Stand heute weit entfernt, aber der Aufbau einer so konzentrierten Nachfrage nach Fremdkapital bleibt ein Risikofaktor, den man im Blick behalten muss.
❓ Häufig gestellte Fragen
✅ 11 Claims geprüft, davon 5 mehrfach verifiziert
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