Der Fehler ist methodisch eindeutig: Die Entwickler verglichen die Emissionen eines einzelnen Betriebsjahres der jeweiligen Rechenzentren mit dem gesamten Fünfjahres-CO2-Budget des Vereinigten Königreichs. Das Ergebnis ist eine systematische Verzerrung nach unten – die Klimawirkung erscheint rechnerisch fünfmal geringer als sie tatsächlich ist. Tim Squirrell, Head of Strategy bei Foxglove, benennt das unmissverständlich: „By comparing one year of datacentre emissions with five years of UK emissions, they're making the environmental impact look five times smaller than it really is." Und er schiebt nach: Sofern Google die Diskrepanz nicht erklären könne, sehe es nach ernsthafter Irreführung von Behörden und Öffentlichkeit aus.
- Entwickler haben die CO2-Emissionen von drei geplanten Google-Rechenzentren in britischen Planungsunterlagen um den Faktor fünf zu niedrig angegeben.
- Dieser methodische Fehler entstand, weil die Emissionen eines einzigen Betriebsjahres mit dem gesamten Klimabudget für fünf Jahre verglichen wurden.
- Im Jahr 2033 würden die drei geplanten KI-Zentren zusammen mehr als ein Prozent des kompletten britischen CO2-Budgets verschlingen.
Die konkreten Zahlen machen das Ausmaß greifbar. Googles Thurrock-Rechenzentrum – geplant auf 52 Hektar sogenanntem „Grey Belt"-Land – deklarierte Emissionen von 0,033 Prozent des britischen CO2-Budgets für den Zeitraum 2028 bis 2032. Der reale Wert liegt bei 0,165 Prozent. Das North-Weald-Projekt, geplant auf einem Flugplatz nahe Epping Forest, gab 0,043 Prozent für 2033 bis 2037 an – tatsächlich sind es 0,215 Prozent. Greystokes Elsham Tech Park bezifferte seinen Anteil am Budget 2033 mit 0,1043 Prozent; Foxglove kommt auf 0,5215 Prozent.
Der Elsham Tech Park ist dabei das schwerste Einzelprojekt. In Spitzenjahren wird das Rechenzentrum laut Foxglove rund 1 Million Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr ausstoßen. Zum Vergleich: Alle britischen Inlandsflüge zusammen erzeugen etwa 1,2 Millionen Tonnen jährlich. Greystoke bewirbt das Projekt mit einem Investitionsvolumen von 10 Milliarden Pfund und verweist auf tausende gut bezahlte Arbeitsplätze in der Region. Gegenüber dem Guardian räumte das Unternehmen die Diskrepanz ein und kündigte an, überarbeitete Emissionszahlen bei den örtlichen Planungsbehörden einzureichen.
Lokaler Ratsherr Steven Heather zeigte sich verhalten optimistisch, was das Korrekturverfahren angeht: „If there is a gross error, they'll obviously pick up on it. When it goes to the submissions stage, the developers will have to come back with the proper figure." Google selbst ließ eine Anfrage des Guardian unbeantwortet. Alle drei Projekte sind in den Planungsunterlagen offiziell als Vorhaben mit „minor adverse impact" auf die britischen Klimaziele eingestuft – eine Kategorisierung, die angesichts der korrigierten Zahlen kaum haltbar ist.
Der Vorfall steht nicht für sich allein. Bereits im April 2026 berichtete der Guardian über eine Diskrepanz zwischen dem britischen Dekarbonisierungsplan und dem Roadmap für KI-Computing: Zwei zuständige Regierungsministerien lagen beim Energiebedarf britischer Rechenzentren in ihren Prognosen um den Faktor 10 auseinander. Das deutet auf ein strukturelles Problem im Umgang mit den Klimafolgen der KI-Infrastruktur hin – nicht auf einen vereinzelten Kalkulationsfehler.
Squirrell formuliert es direkt: „Google has serious questions to answer about its dubious datacentre pollution figures." Ob es sich um Absicht oder methodische Nachlässigkeit handelt, bleibt offen. Klar ist: Die Planungsbehörden in Essex und Lincolnshire haben Genehmigungen auf Basis von Zahlen erteilt oder bewertet, die den tatsächlichen Klimaeffekt deutlich verschleiern. Das setzt den gesamten britischen Genehmigungsprozess für KI-Infrastruktur unter Druck.
❓ Häufig gestellte Fragen
📰 Recherchiert auf Basis von 1 Primärquelle (theguardian.com)
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