Brussees Biografie ist für ein Vorhaben dieser Größenordnung ungewöhnlich stark. Mit über 30 Jahren Branchenerfahrung programmierte er in den 1990ern die „Jazz Jackrabbit"-Serie, gründete anschließend Guerrilla Games — das Studio hinter dem Horizon-Franchise — und verbrachte danach 8,5 Jahre bei Epic Games, wo er die Unreal Engine als Director of Product Management mitverantwortete. Kurz: Kaum jemand in Europa kennt die Stärken und Schwächen von Unreal besser als er.
- Guerrilla-Mitgründer Arjan Brussee entwickelt mit der Immense Engine eine europäische und souveräne Alternative zur Unreal Engine.
- Die Software ist als universelles Werkzeug konzipiert, das neben Videospielen auch für Verteidigung, Logistik und Industrie genutzt werden soll.
- Durch den nativen Einsatz von tief in die Architektur integrierten KI-Agenten soll ein sehr kleines Team die massive Entwicklungsarbeit bewältigen.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Der Trend zur technologischen Eigenständigkeit Europas gewinnt gerade in der Softwarewelt an Fahrt. Frankreichs Regierung begann unlängst eine Umstellung von Windows auf Linux — ein Signal, das in Brüssel und Den Haag aufmerksam registriert wird. Brussees Projekt passt in diesen Kontext: Wer kritische digitale Infrastruktur — und eine Game Engine ist für Dutzende Studios genau das — nicht selbst kontrolliert, ist abhängig von fremden Anbietern, Lizenzbedingungen und Datenpraktiken.
Was die Immense Engine von bestehenden europäischen Alternativen wie der deutschen CryEngine unterscheidet, ist der Ansatz. Die CryEngine kämpft seit Jahren mit geringer Adoption — und gilt vor allem als Speziallösung für Ego-Shooter, nicht als Universalwerkzeug. Brussees Vision ist breiter: eine General-Purpose-Engine, die 3D-Welten für Spiele, Medienproduktionen und industrielle Anwendungen gleichermaßen ermöglicht.
Der entscheidende Hebel dabei ist KI. Brussee plant keine nachträgliche KI-Integration, sondern baut KI-Agenten von Anfang an in die Architektur ein. Seine These: „Wenn man schlau ist und weiß, wie man ein gutes Framework von KI-Agenten einsetzt, kann man die Arbeit von zehn oder fünfzehn Leuten erledigen." Das ist keine Marketing-Aussage — es ist die wirtschaftliche Grundlage des Projekts. Ein kleines Team, das durch KI-Agenten multipliziert wird, kann eine Engine bauen, für die man früher eine ganze Abteilung gebraucht hätte. Welche konkreten KI-Modelle dabei zum Einsatz kommen, hat Brussee bislang nicht kommuniziert.
Konkrete Release-Termine, Finanzierungsdetails oder Partnerorganisationen hat Brussee öffentlich noch nicht genannt. Das Projekt befindet sich erkennbar in einer frühen Phase — die Ankündigung über einen Podcast ist keine Produktvorstellung. Der nächste realistische Schritt wäre eine formale Präsentation mit technischen Details, möglicherweise auf einer der europäischen Game-Konferenzen. Für Studios und Entwickler, die nach DSGVO-konformen und souveränen Alternativen suchen, ist die Immense Engine jedenfalls ein Projekt, das es zu beobachten lohnt — sofern aus der Vision ein lieferbares Produkt wird.
❓ Häufig gestellte Fragen
📰 Recherchiert auf Basis von 1 Primärquelle (gizmodo.com)
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