Die britische Steuerbehörde HMRC hat fast 29.000 Microsoft-Copilot-Lizenzen an ihre Mitarbeiter vergeben und plant, „agentic-style Features" zu aktivieren, wodurch autonome KI-Funktionen eigenständig Aufgaben erledigen können. Dies basiert auf einem Whitehall-Pilotversuch vom Juni 2025 mit 20.000 Beamten aus zwölf Ministerien, der eine durchschnittliche Zeitersparnis von 26 Minuten pro Nutzer und Tag ergab.
- Die britische Steuerbehörde HMRC rüstet fast 29.000 Mitarbeiter mit Microsoft Copilot aus, um autonome KI-Funktionen für mehr Effizienz zu nutzen.
- Trotz nachgewiesener Zeitersparnis warnen Experten vor unzuverlässigen KI-Ergebnissen bei sensiblen Steuerfällen und ungelösten Datenschutzfragen.
- Das Projekt gilt als wichtiges Fallbeispiel für europäische Behörden bezüglich des kritischen Übergangs vom Pilotprojekt zum unwiderruflichen Massenrollout.
Ein Großteil der Teilnehmer (70 Prozent) berichtete von weniger Zeitaufwand für Informationssuche und Routineaufgaben, und 82 Prozent wollten nicht mehr ohne Copilot arbeiten. Der offizielle Bericht des Government Digital Service wies jedoch auf „Einschränkungen bei komplexen, nuancierten oder datenintensiven Arbeitsbereichen" hin. Das bedeutet, dass Copilot zwar gut für einfache Aufgaben wie E-Mails und Zusammenfassungen ist, aber bei anspruchsvollen Steuerfällen, juristischen Feinheiten oder mehrdeutigen Daten an seine Grenzen stößt. James Mitton, der KI-Chef der HMRC, bestätigte, dass den Mitarbeitern „fairly potent AI tools" zur Verfügung gestellt werden sollen, um „sicher zu experimentieren", obwohl das System in den Kernbereichen der Steuerbehörde Schwächen zeigt.
Die HMRC plant, das Tool in „Official Sensitive"-Workflows zu integrieren, die vertrauliche staatliche Daten wie Steuer- und Personendaten betreffen. Der Pilotbericht äußerte jedoch Bedenken hinsichtlich der „Sicherheit und des Umgangs mit sensiblen Daten" in diesem Kontext. Frühere Untersuchungen zeigten zudem, dass veraltete oder widersprüchliche Inhalte in Regierungsdatenbanken KI-Systeme in die Irre führen können, was bei einem Einsatz von Copilot in diesem Kontext zu unzuverlässigen Ergebnissen führen könnte. Eine frühere Implementierung von automatisierten Prozessen, die der Steuerbehörde laut eigenen Angaben Einsparungen von rund 8 Milliarden Pfund eingebracht haben, ist nicht vergleichbar mit dem Einsatz eines generativen Sprachmodells mit Zugriff auf die Dokumentation von 29.000 Mitarbeitern.
Die größte Gefahr besteht darin, dass die HMRC in eine Lock-in-Situation gerät: Sobald 29.000 Mitarbeiter an die Nutzung von Copilot gewöhnt sind, ist es schwer, das System wieder abzuschalten, selbst wenn es Fehler generiert. Obwohl die HMRC als britische Behörde nicht direkt dem EU AI Act unterliegt, ist ihr Vorgehen für deutsche und österreichische Behörden, die ähnliche Projekte planen, bedeutsam. Mit der Einführung des Hauptteils des EU AI Act im August 2026 müssen Hochrisiko-KIs in Bereichen wie Steuerverwaltung und Strafverfolgung strenge Transparenz-, Dokumentations- und Aufsichtspflichten erfüllen. Das britische Beispiel zeigt, wie schnell ein Pilotprojekt zu einem Massenrollout führen kann, wodurch Governance-Fragen zugunsten von Effizienzversprechen vernachlässigt werden.
❓ Häufig gestellte Fragen
📰 Recherchiert auf Basis von 2 Primärquellen (go.theregister.com, boerse-express.com)
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