Microsoft erwartet im kommenden Fiskaljahr — Juli 2026 bis Juni 2027 — einen Rückgang der Gesamtmitarbeiterzahl. Das gab CFO Amy Hood am 29. April 2026 auf einem Earnings Call mit Analysten bekannt. „We continue to evolve how we operate to increase our pace and agility, and therefore we expect headcount will decrease year over year", sagte Hood laut Business Insider. Die Botschaft ist eindeutig: Weniger Personal ist bei Microsoft kein Krisenzeichen, sondern erklärtes Ziel.
- Microsoft plant im Fiskaljahr 2027 einen gezielten Personalabbau, um durch KI-gestützte Workflows agilere und flachere Strukturen zu schaffen.
- Trotz hoher Quartalsgewinne erhöht das stärkere Cloud-Wachstum von Konkurrenten wie Google den Druck auf die interne Kosteneffizienz.
- Parallel baut der Konzern seine Marktposition durch einen massiven Copilot-Einsatz bei Accenture sowie angepasste OpenAI-Allianzen weiter aus.
Noch vor dem Analysten-Call hatte Hood in einem internen Memo an die Belegschaft von „increased pace" und „tighter, more accountable squads" gesprochen — zwei Formulierungen, die im Kontext organisatorischer Umstrukturierungen stehen. Die Botschaft nach innen und nach außen ist dieselbe: Microsoft baut flachere, schnellere Strukturen. Weniger Manager, klarere Verantwortlichkeiten. Das klingt nach klassischem Post-Hyper-Growth-Reflex — und entspricht einem Muster, das sich in der Tech-Branche seit 2023 zunehmend etabliert hat.
Bereits im April 2026 hatte Microsoft Abfindungen an langjährige US-Mitarbeiter angeboten, um Kosten zu senken. Betroffen: bis zu 7 % der rund 125.000 US-Angestellten, also etwa 8.750 Personen. Das Programm richtete sich an Mitarbeiter, deren Dienstjahre plus Lebensalter zusammen mindestens 70 ergaben und die in den Ruhestand wechseln wollten — ein gezieltes Instrument, kein Massenabbau per Kündigung.
Microsoft meldete für das abgelaufene Quartal einen Umsatz von 82,9 Milliarden US-Dollar und einen Nettogewinn von 31,8 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen ist profitabel — und baut trotzdem Stellen ab. Das ist kein Widerspruch, sondern Effizienzlogik: Wer auf KI-gestützte Workflows setzt, braucht schlicht weniger Kopfzahl für denselben Output.
Für das Azure-Cloudgeschäft prognostiziert Hood ein Wachstum zwischen 39 und 40 Prozent. Trotzdem: Barclays-Analyst Raimo Lenschow merkte an, dass Microsofts Cloud-Wachstum zwar Google Cloud unterlegen ist, sich aber im Vergleich zu Amazons AWS weiterhin behauptet. Das setzt Microsoft unter Druck, effizienter zu werden — auch personell.
Die Aktie hatte Anfang 2026 ihre schlechteste Quartalsperformance seit 2008 erlebt — ausgelöst durch Zweifel, ob der massive KI-Infrastrukturaufbau sich rechnet, und durch die Diskussion, ob KI mittelfristig Softwareprodukte von Microsoft selbst kannibalisiert. Diese Unsicherheit ist noch nicht aufgelöst.
Gleichzeitig zeigt Microsoft konkrete Schritte: Ein Deal mit Accenture bringt Microsoft Copilot zu 743.000 Mitarbeitern des Beratungskonzerns. Daneben hat Microsoft ein neues Software-Bundle mit integriertem Copilot angekündigt. Und die Partnerschaft mit OpenAI wurde diese Woche angepasst: OpenAI darf künftig stärker mit anderen Cloud-Anbietern zusammenarbeiten — darunter Amazon, wo GPT-Modelle nun über die Amazon-Cloud verfügbar sind.