Besonders auffällig ist das Wachstum im Großkundensegment. Die Zahl der Unternehmen, die mehr als 50.000 Copilot-Lizenzen gebucht haben, hat sich laut Nadella vervierfacht. Bayer, Johnson & Johnson, Mercedes und Roche halten jeweils über 90.000 Seats. Den vorläufigen Höhepunkt markiert der Accenture-Deal: Das Beratungshaus rollt Copilot auf alle rund 740.000 Mitarbeiter aus – laut Microsoft der bislang größte Copilot-Abschluss überhaupt. Für europäische Entscheider ist das relevant, weil Accenture selbst als Implementierungspartner für viele DACH-Unternehmen auftritt. Wo der Partner das Tool intensiv einsetzt, steigt der Druck auf Kunden, nachzuziehen.
- Microsoft verzeichnet über 20 Millionen zahlende Copilot-Nutzer, deren Engagement mittlerweile auf dem Niveau von Outlook liegt.
- Das Tool befreit Unternehmen durch automatisches Modell-Routing von der Abhängigkeit einzelner Anbieter wie OpenAI.
- Der neue Agenten-Modus verwandelt Copilot in einen selbstständigen Assistenten, der mehrstufige Aufgaben in Office delegiert bekommt.
Nadella betonte ausdrücklich, dass Copilot nicht von einem einzelnen Modell abhängt – also auch nicht exklusiv von OpenAI. Nutzer können im Chat standardmäßig auf mehrere Modelle zugreifen, darunter auch Anthropics Claude. Intelligent Auto-Routing leitet Anfragen an das jeweils passende Modell weiter, und verschiedene Modelle lassen sich kombinieren, um optimale Antworten zu erzeugen. Das ist kein unwichtiges Detail: Es macht Copilot zu einer Abstraktionsschicht über dem KI-Modell-Markt – ähnlich wie ein Betriebssystem, das nicht an eine bestimmte Hardware gebunden ist. Für Unternehmen bedeutet das weniger Vendor-Lock-in auf Modell-Ebene, auch wenn die Bindung an die Microsoft-365-Plattform selbst bestehen bleibt.
Ein zentraler Treiber für die gestiegene Nutzung ist der Agent-Modus, der seit Ende April 2026 die Standarderfahrung in Word, Excel und PowerPoint darstellt. Microsoft hatte die agentischen Fähigkeiten kurz zuvor allgemein verfügbar gemacht. Der Unterschied zum bisherigen Copilot-Erlebnis: Statt einzelner Prompts kann der Agent mehrstufige Aktionen direkt im Dokument ausführen – Tabellen befüllen, Inhalte strukturieren, Entwürfe iterieren – ohne dass der Nutzer jeden Schritt manuell anstoßen muss. Nadella beschrieb das als „neue Möglichkeit zur Delegation und Erledigung von Aufgaben". Im Alltag heißt das: Copilot arbeitet stärker wie ein Assistent, der eine Aufgabe übernimmt, nicht nur wie ein Autocomplete-Tool. Dies markiert den Übergang zu echten Agenten-Workflows im Unternehmensalltag.
Für Operations-Teams und Manager, die täglich mit Office-Dokumenten arbeiten, ist der Agent-Modus der bisher konkreteste Schritt in Richtung echter Prozessautomation innerhalb der vertrauten M365-Umgebung. Der Haken bleibt: Die Qualität der Ergebnisse hängt stark von der Qualität der Eingabedaten und der Klarheit der Delegation ab. Wer unstrukturierte Prozesse in Copilot schiebt, bekommt unstrukturierte Outputs zurück. Weitere Details zur Implementierung finden sich in unserer Analyse zur KI-Transformation.