Musk ist Mitgründer von OpenAI und investierte nach eigenen Angaben 38 Millionen Dollar Startkapital, um eine gemeinnützige KI-Forschungsorganisation aufzubauen. Was daraus geworden ist, bezeichnet er als Verrat: eine gewinnorientierte Einheit, die er im Klageschreiben als „for-profit, market-paralyzing gorgon" und de facto „Tochtergesellschaft von Microsoft" beschreibt. Die Klage richtet sich gegen OpenAI, CEO Sam Altman, OpenAI-Präsident Greg Brockman — und seit einer späteren Erweiterung auch gegen Microsoft selbst.
- Elon Musk bezeichnet Microsofts Milliarden-Investment in OpenAI vor Gericht als perfiden Verrat an der ursprünglichen Non-Profit-Mission.
- Der Tesla-Chef fordert 130 Milliarden Dollar Schadensersatz, einen Stopp der For-Profit-Umwandlung sowie die direkte Absetzung von CEO Sam Altman.
- Während die Verteidigung Musk reines Machtstreben vorwirft, warnt dieser davor, dass Microsoft die Kontrolle über künftige Superintelligenz erlangt.
Musks Kernargument ist simpel und scharf: Microsoft investiert keine 10 Milliarden Dollar ohne Renditeerwartung. „Microsoft would only put $10 billion — which is a huge sum of money — into something if they feel like they will get a return", sagte Musk im Zeugenstand. Genau das widerspreche dem Geist einer Wohltätigkeitsorganisation, die OpenAI ursprünglich gewesen sei. Microsofts erste Investition in Höhe von einer Milliarde Dollar erfolgte bereits 2019 — damals, so Musk, habe he die Situation noch als Beteiligung mit gedeckelten Gewinnen verstanden und deshalb keine rechtlichen Schritte eingeleitet. Die Folgerunde 2023 aber überschritt für ihn eine rote Linie.
Musk erklärte, er befürchte, dass Microsoft durch das Investment effektiv die Kontrolle über AGI erlangen könnte — eine Technologie, die als Wohltätigkeitsprojekt begann und nun privaten Renditezielen dienen soll. „Microsoft would have motivations that are different from a charity", sagte er. Microsofts Anwalt Russell P. Cohen konterte in seinem Eröffnungsstatement, Microsoft habe OpenAI dabei geholfen, seine Mission zu verfolgen, und — anders als Musk — nie versucht, das Unternehmen zu kontrollieren. Musk antwortete im Zeugenstand lakonisch: „They're trying to trick the jury."
Besondere Brisanz erhielt der zweite Verhandlungstag durch Musks Schadensersatzforderung: Er verlangt über 130 Milliarden Dollar von OpenAI sowie die Rückkehr des Unternehmens zu einer Non-Profit-Struktur — und die Ablösung von Sam Altman als CEO. Reuters zufolge wagte Musk im Zeugenstand auch eine technologische Prognose: AGI — also eine KI, die menschliche Intelligenz in nahezu allen Bereichen übertrifft — werde „nächstes Jahr" Realität sein. Eine Aussage, die im Gerichtssaal für Aufsehen sorgte und Altmans Anwalt William Savitt auf den Plan rief.
Savitt, der OpenAI und Altman vertritt, griff Musk in der Kreuzverhör-Phase scharf an. Er warf Musk vor, bei den Gründungsverhandlungen tatsächlich mehr als 50 Prozent Kontrolle über OpenAI angestrebt und sogar einen Zusammenschluss mit Tesla ins Spiel gebracht zu haben — Vorwürfe, die Musk bestritt. „The only thing Musk cared about is being on top", sagte Savitt. Musk konterte die Fragestrategie des Anwalts direkt: „Your questions are not simple. They're designed to trick me, essentially." Auch Savitt selbst bezichtigte er des Täuschungsversuchs gegenüber der Jury. Sam Altman verfolgte die Aussage seines Mitgründers sichtbar aus dem Zuschauerbereich des Gerichtssaals.
Der Prozess ist auf einen Monat angelegt. In den kommenden Wochen werden weitere Schwergewichte der Techbranche in den Zeugenstand gerufen — darunter Altman selbst, Greg Brockman und Microsoft-CEO Satya Nadella. Für OpenAI steht dabei mehr auf dem Spiel als nur Geld: Ein Urteil zugunsten Musks könnte die laufende Umwandlung in eine vollständig gewinnorientierte Gesellschaft blockieren — und damit Milliarden an geplantem Investorenkapital gefährden.
Quellen: Reuters, 29. April 2026 · Business Insider, 29. April 2026
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📰 Recherchiert auf Basis von 2 Primärquellen (reuters.com, businessinsider.com)
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