Google schließt Werbung in seiner Gemini-App nicht mehr aus — das ist die klare Botschaft aus dem Earnings Call vom 29. April 2026. Chief Business Officer Philipp Schindler sagte dort explizit, ein Anzeigenformat, das im AI Mode gut funktioniere, lasse sich voraussichtlich auch auf die eigenständige Gemini-App übertragen. Das ist eine direkte Kehrtwende gegenüber der Aussage von Google-DeepMind-CEO Demis Hassabis und Dan Taylor (VP Global Ads) vom Januar 2026, die noch von „keinen Plänen" für Gemini-Werbung gesprochen hatten.
- Google-CBO Philipp Schindler schließt Werbung in der bislang werbefreien Gemini-App nicht mehr aus.
- Dank des gigantischen, bestehenden Anzeigennetzwerks hat Google gegenüber Konkurrenten wie OpenAI einen massiven strategischen Vorteil.
- Europäische Werbetreibende müssen bei Conversational AI jedoch strenge Transparenz- und Datenschutzpflichten wie den EU AI Act beachten.
Noch ist die Gemini-App werbefrei. Doch der Kontext ist eindeutig: Google testet bereits Anzeigen in den AI Overviews und im AI Mode — der konversationsbasierten Version der Google-Suche. Diese Formate dienen als Pilot. Schindler machte deutlich, dass Werbung historisch ein zentraler Hebel war, um Produkte auf Milliarden Nutzer zu skalieren: „Ads have always been a big part of scaling products to reach billions of people." Gleichzeitig betonte er, Google überstürze nichts.
Schindlers Formulierung war präzise kalkuliert. Einerseits stellte er Abonnements und Nutzererfahrung in den Vordergrund — Googles Gesamtzahl zahlender Abonnenten hat laut dem Earnings Call 350 Millionen erreicht, wobei Premium-Gemini-Features in diese Pakete eingebettet sind. Andererseits ließ er keinen Zweifel daran, dass das Werbegeschäft langfristig eine Rolle spielen kann. Sein Zitat — „If done well, ads can be really valuable and really helpful commercial information" — ist kein Zufall, sondern eine bewusste Positionierung gegenüber Investoren und Werbekunden.
Strategische Positionierung im KI-Wettbewerb
Der Haken: Zwischen „wir schließen es nicht aus" und einem konkreten Roll-out-Datum liegt noch viel Spielraum. Google kommuniziert hier nach außen absichtlich unverbindlich.
Der Wettbewerbsdruck ist real. OpenAI befindet sich bereits in der frühen Roll-out-Phase von Werbung in ChatGPT, zunächst für kostenlose und „Go"-Nutzer in den USA und Ozeanien. Anthropic hingegen hat sich öffentlich davon distanziert — in einem Super-Bowl-Spot im Februar 2026 nahm das Unternehmen OpenAIs Werbestrategie gezielt aufs Korn und erklärte, Claude bleibe werbefrei.
Google sitzt dabei strategisch in einer anderen Ausgangslage als beide Konkurrenten. Das bestehende Werbenetzwerk über Search und YouTube ist seit Jahren profitabel und gigantisch. Google muss Gemini nicht sofort monetarisieren — kann aber, wenn die Nutzerbasis groß genug ist, nahtlos auf bewährte Anzeigenstrukturen zurückgreifen. Das ist ein struktureller Vorteil, den OpenAI und Anthropic nicht haben.
Für Werbetreibende in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Richtung klar: Conversational AI wird mittelfristig ein relevanter Werbekanal. Wer heute Erfahrung mit AI-Mode-Anzeigen sammelt, ist im Vorteil, wenn Google dieses Format auf Gemini ausweitet. Gleichzeitig gilt es, den EU AI Act im Blick zu behalten — seit August 2025 sind die GPAI-Regeln und Governance-Anforderungen in Kraft, und Anzeigenformate in KI-Systemen könnten unter Transparenzpflichten fallen, insbesondere wenn sie personalisiert und kontextgesteuert ausgeliefert werden. Datenschutzrechtlich greift zudem Art. 22 DSGVO, sobald Anzeigen auf automatisierten Profiling-Entscheidungen basieren — ein Punkt, den Google bei der technischen Umsetzung für den europäischen Markt sauber lösen muss.
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📰 Recherchiert auf Basis von 1 Primärquelle (businessinsider.com)
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