Divine, seit dem 29. April 2026 in Apples App Store und bei Google Play verfügbar, positioniert sich als Gegenentwurf zu KI-überschwemmten Feeds und setzt auf sechssekündige Loop-Videos, indem es „human-first“-Content ohne KI-Generierung oder Algorithmus-Optimierung verspricht. Die Plattform, die Mechanismen der frühen Vine-Ära mit einer neuen Eigentums- und Distributionslogik kombiniert, ermöglicht Creatorn, Kontrolle über ihre Inhalte, Follower und Einnahmequellen zu behalten – ein deutlicher Kontrast zu den üblichen Plattform-Ökonomien. Dies ist ein wichtiger Markt-Test, ob die „Anti-KI“-Positionierung als Produktprinzip erfolgreich sein kann oder lediglich ein Marketinginstrument bleibt. Divine hat dazu Zugang zu rund 500.000 archivierten Vine-Videos von fast 100.000 „OG Vine“-Creatorn wiederhergestellt, darunter bekannte Persönlichkeiten wie Lele Pons und Logan Paul, und ermöglicht es diesen Creatorn, ihre alten Accounts „wiederzuerlangen“ und neue sechssekündige Clips zu veröffentlichen.
- Die neue App Divine bringt rund 500.000 Archiv-Clips der frühen Vine-Ära zurück und fokussiert sich auf sechssekündige Loop-Videos.
- Als bewusster Gegenentwurf zu aktuellen Social-Media-Trends setzt die Plattform auf ein strenges Verbot von KI-generierten Inhalten.
- Durch das offene Protokoll Nostr sollen Creator die volle Kontrolle über ihre eigenen Werke, Reichweiten und Einnahmen behalten.
Der Start von Divine erfolgt zunächst über Invite Codes, wobei ein breiterer Rollout in den kommenden Monaten geplant ist. Dieses selektive Wachstum soll über soziale Nähe statt algorithmischen Pull erfolgen, indem Dichte in Creator-Communities aufgebaut wird, bevor die Reichweite skaliert wird. Diese Strategie könnte helfen, den üblichen Kaltstart neuer Social-Apps zu umgehen, aber auf Kosten des Tempos. Die klare Positionierung gegen „AI slop“ betont Divine als Ort für „authentic, non-AI-generated media“, was eine direkte Antwort auf die steigende Verfügbarkeit generativer Tools und den Trend zur Content-Produktionsoptimierung auf Plattformen darstellt. Dies adressiert ein langjähriges Problem für Creator: die Abhängigkeit von Plattformregeln und Monetarisierungsstrukturen. Jack Dorsey, ein Förderer von Divine über „And Other Stuff“, unterstreicht mit diesem Ansatz die Wichtigkeit der Creator-Kontrolle, basierend auf den Erfahrungen mit Vine, das seinerzeit kein nachhaltiges Geschäftsmodell fand.
Divine wird durch Grant Funding von Jack Dorseys „And Other Stuff“ unterstützt, einem Kollektiv zur Förderung von „freedom tech“ durch offene Tools und Protokolle. Rabble, der Gründer von Divine und ein früheres Mitglied des Twitter-Teams, sieht den Launch als Antwort auf die Entwicklung sozialer Plattformen und betont die Bedeutung einer „social media bill of rights“. Die technische Architektur von Divine, basierend auf dem offenen Protokoll Nostr und Open-Source-Code, zielt darauf ab, Inhalte nicht „in einem Ort gefangen“ zu halten und das Plattformrisiko für Creator zu minimieren. Der Erfolg hängt jedoch davon ab, ob Nutzer die Komplexität eines offenen Protokolls akzeptieren. Dieses Produkt schließt eine Lücke zwischen Creator-Nostalgie und der aktuellen Ablehnung algorithmischer Feeds und bietet eine klare Alternative zu Plattformen, die Monetarisierung über Engagement-Optimierung und Ad-Tech priorisieren.
Wenn Divine ernsthaft auf „no pressure to game an ad algorithm“ setzt, müssen alternative Monetarisierungswege bereitgestellt werden, um eine Wiederholung des Vine-Schicksals zu vermeiden. Dorsey hat „a host of tools and services“ in Aussicht gestellt, allerdings ohne nähere Details. Für Werbetreibende und Agenturen bedeutet dies, dass bei einem Trend zu kontrollierten, invite-basierten Räumen die programmatische Beschaffung von Aufmerksamkeit schwieriger wird, was zu einer weiteren Fragmentierung des Marktes in Community-getriebene Mikro-Netzwerke führen könnte. Für den DACH-Raum und den EU AI Act ist das explizite Verbot von KI-generiertem Content ein Signal dafür, wie stark „AI content“ als Qualitätsproblem wahrgenommen wird. Rechtlich ist dies relevant, da ab August 2025 die GPAI-Regeln des EU AI Act in Kraft treten. Divine reduziert zwar durch das Verbot von KI-Content das Risiko, muss aber bei einer Skalierung in der EU dennoch strenge Moderations- und Transparenzfragen zur Klassifikation von Inhalten und Account-Rechten beantworten.
Divine plant einen breiteren Rollout „in den kommenden Monaten“ und setzt bis dahin auf Invite Codes. Entscheidend wird sein, ob die Plattform über die reine Nostalgie hinausgeht und neue Creator-Formate sowie Tools bietet, die einen echten Wechselanreiz schaffen. Wenn Divine die versprochene Creator-Kontrolle produktseitig unter Beweis stellen kann und die Nostr-Interoperabilität nicht nur als Schlagwort bleibt, könnte es eine Blaupause für weitere soziale Experimente darstellen. Andernfalls bleibt es eine gut erzählte Rückkehr der sechs Sekunden mit kurzer Halbwertszeit, die vor allem etablierte Plattformen im Kurzvideo-Markt unter Druck setzen würde, die auf Masse statt Herkunft setzen.
❓ Häufig gestellte Fragen
✅ 8 Claims geprüft, davon 3 mehrfach verifiziert
📚 Quellen