Divine hat keine formelle Verbindung zu Vine, Twitter oder X — ist also kein offizieller Nachfolger, sondern eine eigenständige Plattform, die das Format neu interpretiert. Wie beim Original können Nutzer Loop-Videos mit einer maximalen Länge von sechs Sekunden erstellen und teilen. Der Zugang ist aktuell noch invite-only: Bestehende Creator laden schrittweise Freunde und Follower ein, bevor ein breiteres Rollout folgt. Bekannte Vine-Originale wie Lele Pons, JimmyHere, MightyDuck sowie Jack and Jack haben bereits ihre Accounts zurückgefordert. Wer keinen Invite hat, kann erste Inhalte bereits auf der Divine-Website anschauen.
- Die von Jack Dorsey finanzierte App Divine bringt das beliebte Sechs-Sekunden-Format von Vine zurück auf Smartphones und ist vorerst nur per Einladung nutzbar.
- Um sich von Wettbewerbern abzuheben, verbannt die Plattform KI-Inhalte vollständig und prüft Videos über einen kryptografischen Ansatz auf menschliche Echtheit.
- Durch die Basis auf dem offenen Nostr-Protokoll sollen Creator die volle Kontrolle über ihre Inhalte behalten und von neuen Monetarisierungswegen profitieren.
Der Anti-KI-Ansatz ist mehr als ein Marketingversprechen. Divine nutzt laut eigener Ankündigung einen kryptografischen Ansatz, um die Echtheit von Videos zu verifizieren. Neue Videos im Feed erhalten ein Label, das anzeigt, ob sie von einem Menschen erstellt wurden. Wer mehr Details will, kann per Tap einen KI-Erkennungsscanner starten. Das Ziel: „authentische, nicht-KI-generierte Medien" — so formuliert es die offizielle Pressemitteilung. Die Plattform positioniert sich damit direkt gegen das, was Kritiker als „AI Slop" bezeichnen: massenhaft produzierte, synthetische Inhalte ohne redaktionellen oder kreativen Mehrwert.
Divine basiert auf dem Nostr-Protokoll, einem offenen, dezentralen Kommunikationsstandard, an dessen Entwicklung Dorsey seit Jahren beteiligt ist. Die Wahl ist kein Zufall. Dorsey selbst erklärte, das Reboot solle frühere Fehler korrigieren — allen voran das Fehlen eines tragfähigen Geschäftsmodells für das originale Vine. Die Prämisse: Creator sollen die volle Kontrolle über ihre Inhalte und ihre Follower-Basis behalten und in der Lage sein, eigene Einnahmequellen aufzubauen. Divine kündigt dafür Tools und Dienste an, die die Creator Economy unterstützen sollen — konkrete Details dazu stehen noch aus. Das Team hat außerdem mehr als 500.000 Videos aus dem originalen Vine-Archiv in die neue App integriert. Diese Inhalte stammen aus einem Archiv, das vor der endgültigen Abschaltung von Vine durch Twitter im Jahr 2017 angelegt wurde.
Der Start von Divine fällt in eine Phase, in der das Vertrauen in große soziale Netzwerke spürbar erodiert. Algorithmische Feeds, sinkende organische Reichweite und der Flood an KI-generierten Inhalten frustrieren eine wachsende Zahl von Creatorn. Divine bedient diesen Unmut gezielt — mit einem Format, das auf Kreativität innerhalb enger Grenzen setzt, statt auf Engagement-Maximierung. Ob das Modell skaliert, ist offen. Der invite-only-Zugang dämpft den frühen Wachstumsdruck und schützt die Community-Qualität, erschwert aber gleichzeitig den Netzwerkeffekt. Das Nostr-Protokoll gibt der Plattform strukturell eine andere DNA als zentralisierte Konkurrenten — was mittelfristig relevant werden könnte, wenn Regulierungsdruck auf große Plattformen zunimmt. Für den DACH-Raum ist insbesondere der dezentrale Ansatz interessant: Unter dem EU AI Act, dessen Hauptanforderungen ab dem 2. August 2026 gelten, könnte die transparente Kennzeichnung menschlich erstellter Inhalte zu einem echten Differenzierungsmerkmal werden — gerade wenn Kennzeichnungspflichten für KI-Inhalte verbindlich greifen.
❓ Häufig gestellte Fragen
✅ 12 Claims geprüft, davon 6 mehrfach verifiziert
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