Elon Musk hat am zweiten Verhandlungstag des vielbeachteten Prozesses gegen OpenAI stundenlang vor einer Jury ausgesagt und geschildert, wie er das Vertrauen in die anderen Gründer des KI-Unternehmens verlor. Kern seiner Aussage: Sam Altman und Greg Brockman hätten ein Projekt, das ursprünglich dem Gemeinwohl dienen sollte, dazu genutzt, sich zu „bereichern". Der Prozess findet vor einem Bundesgericht in Oakland, Kalifornien statt — und entwickelt sich zum öffentlichsten Stellvertreterstreit darüber, wem die KI-Zukunft gehört.
- Elon Musk beschuldigte die OpenAI-Gründer vor Gericht, den gemeinnützigen Auftrag des Unternehmens für ihren persönlichen Profit verraten zu haben.
- OpenAI weist die Vorwürfe zurück und behauptet, Musk klage lediglich aus Eifersucht und dem Wunsch nach der alleinigen Kontrolle.
- Der Prozess wirft die Kernfrage auf, ob kommerzielle Absichten überhaupt mit sicherer und gemeinwohlorientierter KI-Entwicklung vereinbar sind.
Musk beschrieb in seiner Aussage eine zunehmend angespannte Beziehung zu Altman und Brockman, die seiner Darstellung nach bereits 2017 begann, als er an deren Motiven zu zweifeln anfing. OpenAI wurde 2015 als gemeinnützige Organisation gegründet — mit dem expliziten Ziel, KI sicher und zum Nutzen aller zu entwickeln. Musk wirft den verbliebenen Gründern vor, diesen Auftrag zugunsten persönlicher Bereicherung aufgegeben zu haben. Sein Anwalt Steven Molo formulierte es vor der Jury pointiert: Die Führung habe sich für „die Anhäufung von Reichtum" statt für KI-Sicherheit entschieden.
OpenAIs Anwalt William Savitt zeichnete ein gegenteiliges Bild: Musk habe „die Schlüssel zum Königreich" — also die alleinige Kontrolle über OpenAI — angestrebt und die Klage nur eingereicht, nachdem er sich damit nicht durchsetzen konnte. OpenAI selbst bezeichnete die Klage in einer Stellungnahme als Belästigungskampagne, „angetrieben durch Ego, Eifersucht und den Wunsch, einen Konkurrenten zu verlangsamen." Musk konkurriert mit OpenAI durch sein eigenes KI-Unternehmen xAI — ein Interessenkonflikt, den OpenAI bewusst in den Vordergrund rückt. Am Montag hatte Musk auf X zudem Altman als „Scam Altman" bezeichnet, woraufhin die Richterin beide Seiten öffentlich vor Social-Media-Äußerungen während des Verfahrens warnte.
Laut Recherchehintergrund spielte auch Musks Verhältnis zu Google-Mitgründer Larry Page eine Rolle bei der OpenAI-Gründung. Musk soll Page vor Gericht als jemanden beschrieben haben, dem es gleichgültig war, ob KI die Menschheit gefährdet — Page habe ihm Musk zufolge vorgeworfen, „Speziist" zu sein, weil er pro-menschlich eingestellt war. Diese Darstellung stammt ausschließlich aus Musks Zeugenaussage; Page hat sich öffentlich nicht dazu geäußert. OpenAI argumentiert zudem, Musk habe 2017 selbst einer für-Profit-Komponente zugestimmt — was Musks Lager bestreitet. Einen veröffentlichten dokumentarischen Beweis gibt es dafür laut bisherigem Verfahrensstand nicht.
Die Entscheidung über den Ausgang des Verfahrens liegt bei der Richterin. Der Prozess hat bereits eine neunköpfige Jury zusammengestellt. Musks ursprüngliche Betrugsklagen gegen OpenAI wurden kurz vor Prozessbeginn fallen gelassen — was übrig bleibt, sind Vorwürfe rund um den Verrat am gemeinnützigen Gründungsauftrag. Das Verfahren ist nicht nur ein juristischer Konflikt zwischen zwei Milliardären, sondern eine öffentliche Auseinandersetzung darüber, ob kommerzielle KI-Entwicklung mit dem Versprechen der sicheren, gemeinwohlorientierten Forschung vereinbar ist. Für den EU AI Act, der seit August 2025 Governance-Regeln und Transparenzpflichten für General-Purpose-AI-Modelle vorschreibt, ist der Fall ein Reminder: Wer KI-Organisationen als gemeinnützig positioniert, muss das auch strukturell belegen können.
❓ Häufig gestellte Fragen
✅ 12 Claims geprüft, davon 9 mehrfach verifiziert
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