Die britische Regierung hat die potenziellen Kohlenstoffemissionen von KI-Rechenzentren im Vereinigten Königreich drastisch neu bewertet. Neue Daten des Department for Science, Innovation and Technology (DSIT) deuten darauf hin, dass die Umweltauswirkungen um mehr als das Hundertfache höher sein könnten als ursprünglich angenommen. Dies geht aus einer am 23. April 2026 veröffentlichten Korrektur der nationalen „Compute Roadmap“ hervor.
- Die britische Regierung hat ihre CO2-Prognose für geplante KI-Rechenzentren nach Kritik drastisch um den Faktor 100 nach oben korrigiert.
- Bis zum Jahr 2035 könnten die neuen Anlagen im Extremfall bis zu 123 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen, was 3,4 Prozent der britischen Gesamtemissionen entspricht.
- Angesichts knapper Energieressourcen warnen Kritiker vor den Klimafolgen und erste Politiker fordern bereits einen Baustopp für KI-Cluster.
Aktuellen Schätzungen zufolge könnten die KI-Rechenzentren im Zeitraum von 2025 bis 2035 kumuliert bis zu 123 Millionen Tonnen CO₂ ausstoßen. Dies entspricht den Emissionen von etwa 2,7 Millionen Menschen. Die ursprüngliche Schätzung in der generativen KI-Strategie war von deutlich geringeren Werten ausgegangen, was Experten bereits im Vorfeld als unrealistisch kritisiert hatten.
Energiehunger der KI-Infrastruktur
Diese Revision erfolgt nach intensiven Untersuchungen von Organisationen wie Foxglove und Carbon Brief. Patrick Galey, Head of Investigations bei Global Witness, kritisierte die Nutzung knapper Ressourcen für energieintensive KI-Anwendungen scharf. Die neuen Zahlen verdeutlichen die Diskrepanz zwischen technologischem Fortschritt und den Klimazielen der Regierung.
KI-Rechenzentren benötigen erheblich mehr Strom als herkömmliche Rechenzentren, da das Training und der Betrieb komplexer Modelle eine enorme Rechenleistung erfordern. Laut DSIT könnten die Emissionen der geplanten Infrastruktur bis 2035 zwischen 34 und 123 Millionen Tonnen CO₂ liegen. Dies entspräche 0,9 % bis 3,4 % der gesamten britischen Emissionen in diesem Zeitraum. Die niedrigere Schätzung setzt eine drastische Effizienzsteigerung der Hardware und eine beschleunigte Dekarbonisierung des britischen Stromnetzes voraus – ein Szenario, das angesichts des aktuellen Ausbaustandards der europäischen Stromnetze als ambitioniert gilt.
Während die Regierung weiterhin das Ziel von Netto-Null-Emissionen bis 2050 verfolgt, fordern Politiker wie Bernie Sanders in den USA bereits radikalere Maßnahmen wie Baustopps für besonders energieintensive Cluster, um die Netzstabilität und Klimaziele nicht zu gefährden.
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