Ein neuer Trend im Tech-Sektor ermöglicht es Gründern gescheiterter Unternehmen, aus den digitalen Überresten ihrer Firmen Kapital zu schlagen. Sie verkaufen die Slack-Nachrichten und E-Mails ihrer ehemaligen Mitarbeiter, um KI-Modelle zu trainieren, wie Forbes berichtet.
- Gescheiterte Startups verkaufen interne Chatverläufe und E-Mails ihrer ehemaligen Mitarbeiter, um wertvolle Trainingsdaten für KI-Agenten zu liefern.
- Spezialisierte Zwischenhändler befeuern diesen neuen Milliardenmarkt, in den selbst namhafte Tech-Giganten wie Anthropic massiv investieren.
- Datenschützer warnen vor unzureichender Anonymisierung, durch die hochsensible Identitäten und Geschäftsgeheimnisse in KI-Antworten leaken könnten.
Daten-Goldgräber: Slack-Archive als Treibstoff für KI-Agenten
Die Beschaffung hochwertiger Trainingsdaten ist entscheidend für den Aufbau von KI-Modellen. Nach einer Phase intensiver Datennutzung im Internet werden frische Quellen zunehmend rarer. Daten aus digitalen Arbeitsumgebungen wie Slack sind besonders wertvoll, da sie realistische Szenarien für das Training von KI-Agenten bieten, die Arbeitsaufgaben ausführen sollen. Solche Entwicklungen zeigen, warum die KI-Haftung für Unternehmen im Jahr 2026 ein so kritisches Thema geworden ist.
„Modellunternehmen erkennen, dass der 'Lärm' in realen Umgebungen erforderlich ist, um Modelle präzise zu testen“, erklärt Ali Ansari von micro1, einem Unternehmen, das eine Mock-Holdinggesellschaft für lernende KI-Agenten anbietet. Diese simulierten Arbeitsplatz-Sandkästen, sogenannte „Reinforcement Learning Gyms“ (RL Gyms), entwickeln sich zu einer eigenständigen Industrie. Die Nachfrage ist so hoch, dass Anthropic in diesem Jahr angeblich 1 Milliarde Dollar für RL Gyms ausgeben will, und mehrere Startups in diesem Bereich werden bereits mit ähnlichen Summen bewertet.
Zwischenhändler erleichtern diese Transaktionen. SimpleClosure, ein Unternehmen, das sich selbst als „TurboTax für Unternehmensschließungen“ bezeichnet, hat kürzlich ein Tool namens Asset Hub eingeführt. Es ermöglicht es insolventen Firmen, ihre Slack-Archive, E-Mails und Code-Bibliotheken zu verkaufen. SimpleClosure behauptet, die Daten vor dem Verkauf zu anonymisieren. CEO Dori Yona gab an, im letzten Jahr fast 100 solcher Deals abgewickelt und über 1 Million Dollar für die Gründer erzielt zu haben.
Die Praktiken werfen ethische und datenschutzrechtliche Fragen auf. Während das Aufzeichnen und Verkaufen von Gesprächen in einem physischen Arbeitsumfeld Empörung hervorrufen würde, wird der digitale Verkauf als geschäftstüchtig betrachtet. Marc Rotenberg vom Center for AI and Digital Policy kritisiert die „erheblichen Datenschutzprobleme“. Er betont, dass es sich nicht um generische Daten, sondern um identifizierbare Personen handelt. Experten bezweifeln zudem die Wirksamkeit der Anonymisierung. Bobby Samuels, CEO von Protege, warnt vor dem Risiko, dass bei unzureichender Anonymisierung Aktivitäten von Einzelpersonen und Organisationen sichtbar werden und in die Modellausgabe gelangen könnten.
❓ Häufig gestellte Fragen
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