Der Kern des Problems, das Thinking Machines adressiert, ist präzise beschrieben: Heutige Modelle erleben die Welt in einem einzigen Thread. Bis der Nutzer fertig tippt oder spricht, wartet das Modell — ohne Wahrnehmung, was passiert. Bis das Modell fertig generiert, friert seine Wahrnehmung ein. Im Blogpost formuliert das Unternehmen es direkt: „Interaction Models let people collaborate with AI the way we naturally collaborate with each other — they continuously take in audio, video, and text, and think, respond, and act in real time."
- Das Startup Thinking Machines von Ex-OpenAI-CTO Mira Murati hat "Interaction Models" vorgestellt, die Audio, Video und Text nativ in Echtzeit verarbeiten.
- Durch ein latenzarmes Multi-Stream-Design kann die KI kontinuierlich zuhören und den Nutzer in Gesprächen verbal oder visuell unterbrechen.
- Trotz einer 12-Milliarden-Dollar-Bewertung kämpft das junge Unternehmen bereits mit massiven Abgängen von Gründungsmitgliedern an Konkurrenten.
Die technische Basis ist ein Multi-Stream, Micro-Turn Design, das minimale Latenz anstrebt. Nutzer und Modell können gleichzeitig sprechen, das Modell kann visuell oder verbal unterbrechen — ähnlich einem echten Gespräch. Thinking Machines beschreibt das als Lösung für den „Bandbreitenengpass" zwischen Mensch und Maschine: „At Thinking Machines, we believe we can solve this bandwidth bottleneck by making AI interactive in real time across any modality."
Drei konkrete Anwendungsbeispiele hat Thinking Machines bereits gezeigt: das Erkennen von Tiernamen in einer laut vorgelesenen Geschichte, Echtzeit-Sprachübersetzung und ein Szenario, in dem das Modell den Nutzer auf schlechte Körperhaltung hinweist. Das sind keine spektakulären Enterprise-Cases — aber sie zeigen das Prinzip sauber: Das Modell hört dauerhaft zu, interpretiert kontinuierlich und greift aktiv ein, ohne auf eine explizite Anfrage zu warten.
Ausprobieren lässt sich das noch nicht. Thinking Machines plant einen „limited research preview" in den kommenden Monaten, eine breitere Veröffentlichung soll später im Jahr folgen. Der Zeitplan bleibt damit vage — was bei einem Forschungs-Preview aus einem frühen Startup nicht überrascht.
Thinking Machines wurde im Februar 2025 von Murati gegründet, nachdem sie OpenAI verlassen hatte. Das Startup ist finanziell nicht schlecht aufgestellt: In einer Seed-Runde, angeführt von Andreessen Horowitz, erreichte das Unternehmen eine Bewertung von 12 Milliarden US-Dollar bei einer Finanzierung von 2 Milliarden US-Dollar. Dazu kommt eine Partnerschaft mit Nvidia für den Aufbau von KI-Infrastruktur im Umfang von 1 Gigawatt sowie ein Multimilliarden-Dollar-Deal mit Google Cloud.
Der Haken: Thinking Machines hat gleichzeitig erhebliche Talentabgänge erlitten. CTO Barret Zoph und Co-Gründer Luke Metz kehrten im Januar 2026 zu OpenAI zurück. Bis April 2026 hat Meta mindestens sieben Gründungsmitglieder des Startups abgeworben — was Branchenbeobachter als gezielten Talent Raid werten, um Architekturwissen zu übernehmen. Murati führt das Unternehmen weiter, aber das frühe Team ist heute deutlich ausgedünnt.
❓ Häufig gestellte Fragen
✅ 10 Claims geprüft, davon 9 mehrfach verifiziert (daveshap.substack.com)
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